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Der Kern des Konflikts wurde nicht untersucht

Bericht zur Fremdevaluation an der Böblinger Eduard-Mörike-Schule: Das Thema "Beteiligung der Elternschaft" ist außen vor

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    Der Bericht zur Fremdevaluation an der Eduard-Mörike-Schule ist veröffentlicht worden Foto: TB

Artikel vom 24. August 2014 - 10:22

VON DIRK HAMANN

BÖBLINGEN. Im Interview mit der KRZ zum Thema Eduard-Mörike-Schule hat Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Lützner auf eine im Frühjahr durchgeführte Fremdevaluation verwiesen, die für die EMS keine Auffälligkeiten ergäben hätte. "Das ist eine gute Nachricht, die nicht untergehen darf. Im Gegensatz dazu stehen die aktuellen Vorwürfe und es stellt sich die Frage: Was hat sich in den vergangenen Monaten so dramatisch verändert?", betonte er.
Nun ist dieser Bericht auf der Homepage der Schule veröffentlicht worden und gibt eine Rückmeldung zu 22 evaluierten Merkmalen. Mit Ergebnissen, die sich - auf den ersten Blick - ganz passabel lesen lassen. In einer Tabelle, die vier Stufen, die der Rangfolge aufwärts nach die Vornamen Entwicklung-, Basis, Ziel und Exzellenz tragen, fand zwar kein Kreuzchen den Weg in die best möglichste Eingruppierung, doch die Zielstufe wurde vom Evalutionsteam des Landesinstituts für Schulentwicklung 13 Mal angekreuzt. Sechs Mal wurden Merkmale der Basisstufe zugeordnet, nur drei Mal gab es das Prädikat "Entwicklungsstufe."
Die Crux an der Sache: Das Thema, das an der Eduard-Mörike-Schule seit Monaten für große Unruhe in der Elternschaft sorgt, wurde nicht untersucht: die Beteiligung der Elternschaft. Keinerlei Bewertung gibt die Evaluation deshalb zu den Punkten, die sich hinter der Überschrift "Innerschulische und außerschulische Partnerschaften" verbergen, wo in Sachen Mitgestaltungsmöglichkeiten der Eltern zu den Themen "Einbeziehung in das schulische Leben", "Erziehungspatenschaften" und "Kooperation mit Schulen und außerschulischen Partnern" auf Wunsch nachgefragt wird. Dazu außerdem nicht abgefragt wurde unter "Professionalisierung der Lehrkräfte" die Praxis der Weiterqualifizierung.
Die von Lützner geäußerte "gute Nachricht" bezüglich der Ergebnisse der Fremdevaluation ist somit kaum dafür zu gebrauchen, um einen Gegensatz zu den Vorwürfen, die seit Monaten aus der Elternschaft geäußert werden, zu zementieren. Unter anderem hatte sich bei den Eltern der Eindruck verfestigt, wie der stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Thomas Gärtner mitgeteilt hat (die KRZ berichtete) dass die Schulleiterin "die Eltern bewusst aus dem Schulleben heraushalten möchte". Als einen Beleg führte er an, dass die Rektorin mit den Vorwürfen von Seiten der Elternbeiratsvorsitzenden konfrontiert und um ein Gespräch gebeten worden sei. "Ein Termin kam nicht zustande."
Schulleiterin Katrin Rombold hatte in einem Elternbrief (die KRZ berichtete) betont, dass in der Vergangenheit schon einiges erarbeitet wurde, was die guten Ergebnisse der Fremdevaluation zeigen würden. Und außerdem angemerkt: "Eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern steht im Mittelpunkt meiner schulischen Tätigkeit. Ohne eine gute und funktionierende Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Elternschaft ist eine optimale Erziehung der uns anvertrauten Kinder nicht möglich."
Im Ergebnis der Fremdevaluation festgehalten sind in einem Gesamtüberblick Stärken und Entwicklungsfelder der Eduard-Mörike-Schule.  Als Stärken hervorgehoben wurde vom Evalutionsteam des Landesinstituts für Schulentwicklung, dass die Schule einen Schwerpunkt auf die Förderung der personalen und sozialen Kompetenzen lege. Die gemeinsame Haltung des Kollegiums sei spürbar, das Schul- und Klassenklima bewusst zu gestalten. Und auch: Die Elternschaft unterstützt die Schule bei schulischen Veranstaltungen, im Unterricht und durch Ideen zur Schulentwicklung. Sie trägt damit dazu bei, dass sich die Beteiligten als Schulgemeinschaft fühlen.
Als Entwicklungsfelder ausgemacht worden sind vor allem Dinge, die den Qualitätsbereich Unterricht betreffen. Auch in Sachen längerfristige Planung von Maßnahmen und Projekten der Schul-, Unterrichts- und Qualitätsentwicklung sowie die systematische Überprüfung der Wirksamkeit eingeleiteter Maßnahmen durch passende Evaluationen bestehe Verbesserungsbedarf.
 

Selbst- und Fremdevaluation
Selbst- und Fremdevaluation sind zentrale Instrumente der Schul- und Unterrichtsentwicklung an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg. Die Fremdevaluation ist ein Verfahren zur Einschätzung der Qualität von Schulen. Sie wird von unabhängigen Teams, sogenannten Evaluatoren, mit Hilfe festgelegter Qualitätskriterien durchgeführt und ist eine Dienstleistung des Landesinstituts. Die Evaluationsteams schauen sich Dokumente der Schule an und sammeln über eine Onlinebefragung sowie bei einem Schulbesuch Informationen zur Schulqualität. Alle erhobenen Daten werden ausgewertet und in einem Bericht zusammengefasst.
Die Kriterien und Standards der Bewertung sind in einem Qualitätsrahmen veröffentlicht und umfassen im "Modell zur Schulqualität" dargestellten Qualitätsbereiche.
Seit dem Schuljahr 2011/12 wird die Fremdevaluation an allgemein bildenden Schulen nach einem weiterentwickelten Konzept durchgeführt. Die Aufgabe der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung an den allgemein bildenden Schulen im Land steht in engem Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Bildungswesens. Diese findet ihren Ausdruck in einer erweiterten Eigenständigkeit und Qualitätsverantwortung der Schulen sowie in der damit verbundenen verpflichtenden Einführung von Selbst- und Fremdevaluation und sich daran anschließenden Zielvereinbarungen zwischen Schule und Schulaufsicht. Die Qualitätssicherung und -entwicklung basiert auf der Überprüfung von gesetzten Zielen. Um schulspezifisch Informationen darüber zu erhalten, inwieweit angestrebte Ziele auch erreicht worden sind und durchgeführte Maßnahmen erfolgreich waren, können Instrumente und Verfahren zum Einstieg in die Qualitätsentwicklung sowie Instrumente und Verfahren der Selbst- und Fremdevaluation verwendet werden.

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