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Regierungspräsidium und Landeskirche antworten OB Lützner

EMS

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    Zu den Vorfällen und Vorwürfen rund um die Böblinger Eduard-Mörike-Schule gibt es neue Antworten - und neue Fragen KRZ-Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 18. August 2014 - 20:18

KREIS BÖBLINGEN (dih). Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Lützner hat – wie die KRZ berichtet hat – in offenen Briefen das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) und die evangelische Landeskirche um Stellung gebeten, mit dem Ziel, eine rasche Aufklärung der Vorfälle und Vorwürfe, die rund um die Eduard-Mörike-Schule im Raum stehen, herbeizuführen.
Das RP hat sich gemeldet – und sich dahingehend geäußert, dass bislang keine Fakten vorlägen, die gegen eine Eignung von Katrin Rombold zur Leitung der Schule sprächen. Auch seien keine substantiierten Hinweise bekannt, dass von Dritten über die Schulleitung unter anderem ein unzulässiger Einfluss auf die Schule genommen wird. Zudem lägen weder der oberen Schulaufsichtsbehörde noch dem Regierungspräsidium belastbare Tatsachen vor, dass die „Gruppe um Frau Dierks eine sogenannte ,Psychogruppe? oder eine sogenannte ,Sekte? sei. Weder die Erklärungen von Frau Dierks selbst zu ihrer Lehr- und Beratungsstelle noch vorliegende Zeugenaussagen würden einen solchen Vorwurf rechtfertigen“.
Wie das RP verlauten lässt, ist auch dieser staatlichen Stelle „eine zügige Aufklärung wichtig im Interesse der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und des Lehrerkollegiums“ wichtig sei. Dessen ungeachtet sei eine umfassende Erhebung des Sachverhalts im Interesse aller Beteiligten und auch der Wahrheitsfindung geboten. Die Abteilung Schule und Bildung überprüfe den Sachverhalt in enger Abstimmung mit dem Kultusministerium und insbesondere der Informations- und Koordinierungsstelle zu Fragen sogenannter Sekten und Psychogruppen. „Selbstverständlich möchte die Schulaufsicht die Elternschaft in ihrer Verunsicherung und in ihren Sorgen nicht alleine lassen“, heißt es vom RP weiter. „Gerade deshalb ist es aber auch wichtig, dass unsere Entscheidung auf einer sehr guten Grundlage erfolgt.“
Neben den Vorwürfen aus der Elternschaft der EMS, in denen unter anderem eine enge Verbindung und Einflussnahme zwischen der Schulleitertätigkeit und der Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle Jutta Dierks geäußert wird, hat Lützner um Aufklärung gebeten, wie aufgekommene Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Besetzung der Schulleiterstelle im Juli 2011 zustande gekommen sind. Nur wenige Wochen, nachdem Katrin Rombold zur Rektorin der EMS gewählt wurde, wurde ihre Bewerbung, die darauf abzielte, die Schulleiterstelle an der Filderschule Degerloch zu erhalten, vom dortigen Schulrat abgelehnt (die KRZ berichtete). Im Schuljahr 2010/11 habe sich die Filderschule in einer schwierigen Situation befunden, schreibt das RP hierzu. „Die Schulentwicklungsplanung der Stadt Stuttgart sah die Schließung der Schule, den Wegfall der Hauptschule oder die Fusion mit anderen Schulen zu“, heißt es. „Über den sinnvollen Weg gab es gab es unterschiedliche Auffassungen zwischen der Elternschaft und Frau Rombold als damaliger Konrektorin und kommissarischer Schulleiterin.“ Zu Vorwürfen gegen die damals kommissarische Schulleiterin, die von Eltern der Filderschule schriftlich verfasst wurden und ans Staatliche Schulamt Stuttgart versandt wurden (die KRZ berichtete), äußerte sich das RP ebenso wenig, wie dazu, wie sie trotzdem mit einem sehr positiven Bewertungsschreiben ausgestattet in Böblingen vorstellig werden konnte. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen kann die höhere Schulbehörde keine Einzelangaben zu Schulbesetzungsverfahren machen.“
Weiter bestätigt das RP auf Lützners Nachfrage zur Person Jutta Dierks, dass diese, wie auf ihrer in der vergangenen Woche ans Netz gegangenen Homepage erklärt, Gymnasiallehrerin war und „vom seinerzeitigen Oberschulamt für drei Schuljahre beurlaubt wurde, um an der Weiterbildungsmaßnahme in Zürich teilzunehmen“. Von 1985 bis 2007 sei Dierks Beratungslehrerin an einem Gymnasium gewesen. „Die dort geleistete Arbeit wurde in der Schule mit hoher Anerkennung gesehen und positiv bewertet.“ Insgesamt bestehe nach Ansicht des RP nach Gesprächen mit Eltern, Lehrern und der Rektorin der EMS ein Nachholbedürfnis in der Kommunikation. „Es bedarf sicherlich auch der Erklärung von Seiten der Schulleitung.“ Die solle unter Begleitung und Anleitung eines externen, geschulten Moderators erfolgen. „Ziel muss es sein, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen.“ Begonnen werden soll laut RP mit dem moderierten Prozess in der letzten Ferienwoche.
Stadt wurde im Mai informiert
Kirchenrat Georg Eberhardt hat in Vertretung von Landesbischof Dr. Otfried July auf Lützners Fragen hinsichtlich der Arbeit der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche geantwortet, die in einem Schreiben die Gruppe um Jutta Dierks unter anderem als „konfliktträchtig“ bezeichnet hatte. Eberhardt erklärte, dass im Zusammenhang mit den Vorgängen derzeit ein gerichtliches Verfahren anhängig sei. Und fügte hinzu: „Deshalb und aufgrund der Verteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Schulträger und den Schulaufsichtsbehörden müssen wir leider von einer detaillierten Auskunft absehen.“
Die Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen sei hinsichtlich der angesprochenen Vorgänge von beunruhigten Eltern und Lehrern vielfach angefragt worden, die Antworten seien an diesen Kreis erfolgt. Und in Richtung Lützner bemerkte er: „Ihr Haus wurde mit elektronischer Nachricht von Frau Pfarrerin Kick am 16. Mai 2014 unterrichtet und es wurde ausdrücklich ein Gespräch angeboten.“
Ansonsten betrieb Eberhardt Aufklärung darüber, mit was sich die Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen beschäftigt – so mit der religiösen Landschaft an den Rändern, neuen Bewegungen, Psychogruppen oder christlichen Sondergruppen. Sie „recherchiert, stellt Informationen bereit, hält Vorträge und wirkt bei Fortbildungen mit“, für jeden, der sich mit einer Fragestellung oder einem Konflikt mit weltanschaulichem Hintergrund an sie wende. „Sie versucht stets präzise Informationen zu Inhalt, Anliegen, Geschichte und Praxis der Angebote zusammenzutragen und dabei auch das Selbstverständnis der jeweiligen Gruppe oder Richtung zu berücksichtigen“, so Eberhardt. Eine Beurteilung aus der gesellschaftlich-ethischen Ebene erfolge unter anderem nach der Sozialverträglichkeit oder Konfliktträchtigkeit bestimmter Angebote, Praktiken und Gemeinschaftsstrukturen. Eberhardt: „Was folgt für den Einzelnen, seine Familie oder die Gesellschaft aus einem Engagement in einer bestimmten Richtung? Welches Menschenbild und welche gesellschaftlichen Ziele werden verfolgt? Diese Perspektive ist bei Anfragen von Behörden und weltanschaulich neutralen Stellen die einzig relevante.“
Vater erhält Drohanruf
„Unbefriedigend.“ So lautet die Antwort von Elternseite auf die vom RP gegebenen Antworten. „Die Elternschaft wollte die ganze Zeit reden, doch Frau Rombold wollte nicht“, erklärt der stellvertretende Gesamtelternbeiratsvorsitzende der EMS, Thomas Gärtner und ist verwundert, dass der Rektorin auf einmal an einem Miteinander mit der Elternschaft gelegen sei. Zu einer vom RP anvisierten Mediation vertrete er die Meinung der Eltern, dass dazu ein Grundfunken an Vertrauen gehöre, der aktuell nicht zu erkennen sei. „Gut ist, dass ein Mediator zunächst sondieren will, ob eine Mediation überhaupt möglich ist“, so Gärtner weiter. „Stand heute bezweifele ich das.“
Derweil hat die Geschichte rund um die Vorfälle an der EMS eine neue Dimension erreicht: Am Sonntag ging laut Informationen, die die KRZ erhalten hat, bei einem um Aufklärung engagierten Vater ein anonymer Drohanruf zur Einschüchterung ein, der mit den Worten „ansonsten ist Dein Kind tot“ endete. Ein Anruf, der bei der Polizei zur Anzeige gebracht worden ist.

Die Antworten des RP und der Landeskirche auf Lützners Fragen sind auf der Homepage der Stadt Böblingen veröffentlicht.

=> Bisher veröffentlichte Artikel und Leserbriefe zum Thema

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