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Rektorin Katrin Rombold nimmt in Elternbrief Stellung

EMS

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Artikel vom 15. August 2014 - 07:52

VON DIRK HAMANN
  BÖBLINGEN. Katrin Rombold, Schulleiterin der Böblinger Eduard-Mörike-Schule (EMS), die seit Wochen mit massiven Vorwürfen aus der Elternschaft konfrontiert wird, hat ihr Schweigen gebrochen. In einem am 4. August verfassten Brief, der vergangenen Freitag die Eltern der EMS erreichte, hat sie sich geäußert.
   In dem Schreiben formuliert sie, dass sie den Behauptungen, die in verschiedenen Schriften und Presseberichten in den letzten Tagen "in die Welt getragen" wurden, mit aller Entschiedenheit entgegentritt. Sie äußert Verständnis dafür, dass "die Berichterstattung" bei vielen Eltern große Sorge ausgelöst hat und dafür, dass Fragen aufgekommen sind, warum sie sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert hat. Dazu erklärt sie nun: "Wie Sie vielleicht wissen, unterliege ich als Schulleiterin zunächst einer Verschwiegenheitspflicht in Personalsachen. Viele in der Öffentlichkeit diskutierten Vorgänge betreffen diese Verpflichtung."
   Weiter beklagt sie "Rufschädigungen" ihrer Person, die öffentlich die Runde gemacht hätten, und stellt klar: "Ich war zu keinem Zeitpunkt Mitglied irgendeiner Sekte oder eines sektenähnlichen Kreises." Sie räumt ein, sich in der Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle Jutta Dierks privat in persönlichen Fragen beraten zu lassen und sich dort über die neuesten Erkenntnisse und Lernvorgänge informiert zu haben. "Hierzu möchte ich festhalten, dass mir meine persönliche Weiterbildung sehr wichtig ist und ich diese auch an anderer Stelle, nicht nur bei Frau Jutta Dierks, wahrnehme", schreibt sie. Und: "Die Beratungsstelle nimmt keinerlei Einfluss auf schulische Abläufe, Entwicklungen oder Entscheidungen! Die so genannte Züricher Schule, die meinem Wissen nach seit ca. 30 Jahren nicht mehr existiert, habe ich nie kennen gelernt, ebenso wenig den VPM." Gegen weitere Unwahrheiten, die Presseberichte beinhalten sollen, beabsichtige sie vorzugehen.
   Zum Vorwurf, dass sie Anliegen, Anfragen, Sorgen, Nöte oder Vorschläge aus der Elternschaft in den vergangenen drei Jahren zumeist ignorierte, erklärt Katrin Rombold: "Eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern steht im Mittelpunkt meiner schulischen Tätigkeit. Ohne eine gute und funktionierende Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Elternschaft ist eine optimale Erziehung der uns anvertrauten Kinder nicht möglich." Mit ihrer ganzen Kraft setze sie sich für eine positive Schulentwicklung ein, in der Eltern, Lehrer und Schüler konstruktiv zusammenwirkten. "Offenbar ist es mir dabei aber nicht immer gelungen, mich mit meinen Anliegen verständlich zu machen", räumt sie ein. "Das bedaure ich sehr." Allerdings hebt sie andererseits hervor, dass in der Vergangenheit schon einiges erarbeitet wurde, was die guten Ergebnisse der "Fremdevaluation durch das Landesinstitut für Schulentwicklung im Juli 2014" zeigen würden.
Ablehnung vom Gesamtelternbeirat
   Abschließend setzt Katrin Rombold das Signal auf Neustart: Sie bemerkt, dass es ihr wichtig sei, zusammen mit den Eltern in einem moderierten Prozess den besten Weg für die Schule zu erarbeiten. "Dieser soll gleich zu Beginn des neuen Schuljahres stattfinden. Entsprechende Vorbereitungen werden bereits getroffen." Die Eltern lädt sie dazu ein, gemeinsam anstehende Themen und Fragen in einem fairen und weiterführenden Dialog zu besprechen.
   Ein Schreiben, das mit sanftem Unterton formuliert wurde - und dennoch nach Informationen von Thomas Gärtner, stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender an der EMS, bei allen Mitgliedern des Elternbeirats und in weiten Teilen der Elternschaft auf schroffe Ablehnung trifft. Die Gründe dafür? Sind nach Aussagen von Gärtner zu finden in all den Dingen, die Katrin Rombold in dem Schreiben nicht angesprochen hat. Zum Beispiel, warum sie in der Vergangenheit nicht nur wenig Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Eltern gezeigt hat, sondern diesen eher mit einer abweisenden Haltung begegnet ist. "Wir sind schwer irritiert, dass sie nun betont, dass ihr eine Zusammenarbeit mit der Elternschaft wichtig ist - genau das war es ja in der Vergangenheit, bei uns und zuvor an der Filderschule, was sie, so wie wir es wahrgenommen haben, ausgeschlossen hat", erklärt Gärtner. "Viele Eltern haben, als sie das gelesen haben, laut gelacht, andere vor Wut geschäumt. Frau Rombold hatte drei Jahre Zeit, um zu beweisen, dass sie an einer Zusammenarbeit mit den Eltern interessiert ist. Und genau das hat sie nicht gemacht."
   Ein weiter Punkt, der laut Gärtner die Elternschaft den Kopf schütteln lässt: "Noch lange bevor in der Presse die ersten Artikel erschienen sind, sind Eltern mit den Vorwürfen bei Frau Rombold mit der Bitte um Klärung vorstellig geworden, und haben keine Auskunft erhalten. Definitiv mehrere Anläufe wurden dazu unternommen." Ob im Falle Beratungsstelle Dierks "Sekte, sektenartige Gruppierung oder sonst irgendwas" als Begriff verwendet werde, sei für die Elternschaft laut Gärtner längst unerheblich. "Wir wissen ja, um was es dort geht."
   Zu einer Mediation gehört für ihn ein "Grundfunken an Vertrauen", der von der Elternschaft nicht gesehen werde. Um angesichts der vielen von den Eltern protokollierten Vorfälle der vergangenen Jahre Klartext zu reden: "Wir können uns eine Zusammenarbeit mit Frau Rombold nicht mehr vorstellen."
Fragen bleiben unbeantwortet
   Seitdem Rombolds Schreiben verfasst worden ist, sind nicht nur neue Fragen und Vorwürfe - auch von Seiten der Elternschaft - aufgetaucht; unter anderem ist nach wie vor unbeantwortet, wie sie nur wenige Wochen, nachdem der Schulrat der Filderschule nach Vorfällen dagegen stimmte, sie an ihrer Bildungseinrichtung zur Rektorin zu küren, an der EMS Schulleiterin werden konnte. Dazu wurde sie, obwohl die Geschehnisse an der Filderschule bekannt gewesen sind, mit einer so guten Bewertung vom Regierungspräsidium ausgestattet, die von der Leiterin des Staatlichen Schulamts Böblingen, Angela Huber, vertreten wurde, dass weder die Schulkonferenz der EMS noch der Gemeinderat Zweifel an Katrin Rombolds Eignung hatten (die KRZ berichtete).
   Auch gegenüber der KRZ zeigt sich Katrin Rombold weiterhin alles andere als auskunftsfreudig. Nachdem sie auf telefonische Anfrage am 28. Juli keinerlei Informationen zu den sie schwer belastenden Vorwürfen äußern wollte, hat sie sich seitdem nur noch via eingeschalteter Anwaltskanzlei aus Berlin gemeldet. So am Montag dieser Woche, als diese mitteilte: "Dabei bitte ich, Ihre Fragen an meine Mandantin ausschließlich über mich zu stellen. Die Mandantin wird unter meiner Beratung dann prüfen, inwieweit diese Fragen beantwortet werden können."
Neues von Jutta Dierks
   Zu einer vorgestern von der KRZ eingereichten Frage, in der Katrin Rombold um Stellungnahme gebeten wurde, gab es keine Antwort. Die KRZ hatte sie gebeten, sich dazu zu äußern, dass nur zwei Tage, nachdem ihr Brief die Eltern der EMS erreicht hat, weitere und neue aus Reihen der Elternschaft zusammengetragene Vorfälle zur Erhärtung der Vorwürfe gegen sie an staatliche Stellen geschickt worden sind - eine Nachricht, die auch die KRZ erreicht hat.
   Neues gibt es derweil von Jutta Dierks, die nun doch den Gang in Richtung Öffentlichkeit wählt. Und zwar mit einer nun ins Netz gegangenen Webseite, auf der sie erklärt, dass sie bisher sehr zurückhaltend ihrer mit der öffentlichen Darstellung ihrer Arbeit gewesen sei. "Das Internet ist nicht meine Welt. Zudem bin ich mit der Beratungstätigkeit ausgelastet", schreibt sie. Weiter beschreibt sie auszugsweise ihre Ausbildung, ihren beruflichen Werdegang, ihren Beratungsansatz und das Beratungsangebot. Zum ersten Mal öffentlich gemacht sind mit dieser Homepage auch die Kontaktdaten.
   Zu finden ist die Homepage Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle Jutta Dierks unter www.psychologische-lehr-und-beratungsstelle-dierks.de im Internet.

=> Bisher veröffentlichte Artikel und Leserbriefe zum Thema

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