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Oberbürgermeister Wolfgang Lützner: "Es ist Zeit zu handeln!"

Eduard-Mörike-Schule

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    Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Lützner hat sich in einem KRZ-Interview zu den Vorfällen an der Eduard-Mörike-Schule geäußert. Zu lesen ist dieses in unserer Mittwochausgabe KRZ-Foto: Bischof

Artikel vom 12. August 2014 - 19:00

BÖBLINGEN (dih). Der Fall um die Vorkommnisse an der Eduard-Mörike-Schule (EMS) und um Vorfälle, die nun auch von anderen Schulen gemeldet werden, wirft seit Wochen jede Menge neuer Fragen auf (die KRZ berichtete mehrmals). Die KRZ hat Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Lützner um Stellungnahme gebeten.
Welchen Einfluss nimmt die von Jutta Dierks geleitete Psychologische Lehr- und Beratungsstelle auf den Alltag in Schulen, an denen Lehrkräften tätig sind, die ihrem Kreis zugeordnet werden, lautet eine von vielen Fragen. Eine andere, die zum Politikum geworden ist, lautet: Wie konnte die diesbezüglich von massiven Vorwürfen aus der Elternschaft konfrontierte Katrin Rombold vor drei Jahren im Schnellverfahren überhaupt Rektorin an der EMS werden? Die KRZ hat dazu Böblingen Oberbürgermeister Wolfgang Lützner befragt.
 
Herr Lützner, das Thema EMS kommt trotz der Sommerferien nicht zur Ruhe. Verstehen Sie die Sorgen und Nöte der betroffenen Eltern?
   Ja, ich bin selbst Vater von drei Kindern und kann mich da sehr gut einfühlen. Es stehen verschiedene Vorwürfe im Raum die dringend geklärt werden müssen. Von Seiten der Schulverwaltung sollten wir alle schnellstens erfahren was von dieser unternommen wird, um den Schulfrieden zum Schuljahresbeginn sicher zu stellen. Wie Eltern und Schule ins klärende Gespräch kommen können sollte dabei ein zentraler Aspekt sein. Ein weiterer, die im Frühjahr durchgeführte Fremdevaluation die für die EMS keine Auffälligkeiten ergab. Das ist eine gute Nachricht, die nicht untergehen darf. Im Gegensatz dazu stehen die aktuellen Vorwürfe und es stellt sich die Frage: Was hat sich in den vergangenen Monaten so dramatisch verändert?

Die Stadt Böblingen ist als Schulträger nur nicht für die Personalfragen an der EMS zuständig. Gleichwohl haben Sie im Gemeinderat vor zwei Wochen gefordert, dass klare Stellungnahmen kommen müssen. Wäre es nicht langsam an der Zeit, dass sich das Regierungspräsidium und das Staatliche Schulamt zu Wort melden?
   Ja, bei allem Verständnis dafür, dass Zeit zur Klärung nötig ist. Das Kultusministerium oder das Regierungspräsidium als zuständige Stellen müssen klare Aussagen zur Sache formulieren und Position beziehen. Alles andere trägt zur Verunsicherung bei. Das RP hat die Personalverantwortung für die Schulen. Ich sehe es in der Pflicht bei den die Schulleitung betreffenden Vorwürfen Klarheit zu schaffen. Das ist die Voraussetzung für die nächsten Schritte. Es ist Zeit zu handeln!

Inzwischen ist bekannt geworden, dass Katrin Rombold nur wenige Wochen, nachdem sie an der Filderschule von der Schulkonferenz als Rektorin abgelehnt worden ist, in Böblingen mittels eines rundum positiven Bewertungsschreibens auch vom Gemeinderat einstimmig für geeignet befunden worden, die Leitung der EMS zu übernehmen. Wissen Sie, wer vor dem Hintergrund "Filderschule" so eine Bewertung verfasst hat?
   Wie schon oben gesagt, die Personalverantwortung liegt beim RP. Wir haben keine Ahnung, wer der Verfasser der Beurteilung war und wussten von Vorwürfen gegenüber der Bewerberin nichts.

Warum wurde das Bewertungsschreiben nicht geprüft und hinterfragt? Hätte das Staatliche Schulamt Böblingen hier nicht tätig sein müssen, bevor es damit in der Schulkonferenz der EMS und dem Gemeinderat vorstellig wird?
   Uns gegenüber hat das Staatliche Schulamt keine Zweifel geäußert. Heute interessiert uns in diesem Zusammenhang: Gab es an anderen Schulen Vorkommnisse die im Widerspruch zur Bewertung stehen? Wenn ja, warum wurde wir als Schulträger hierüber anlässlich der Stellenbesetzung nicht informiert?
 
Demnächst dürfte an der Silcher-Grundschule eine neue Schulleiter-Stelle zu vergeben sein. Glauben der Gemeinderat und Sie dann dem Bewertungsschreiben, das ihnen vom Staatlichen Schulamt vorgelegt wird?
   Das Grundvertrauen zur Schulverwaltung ist da. Doch jeder kann sich vorstellen, dass eine besondere Sensibilisierung eingetreten ist und sicherlich verstärkt zu den Kandidaten nachgefragt wird. Noch ist kein Verfahren für die Besetzung der Schulleiter-Stelle eröffnet. Ich bin überzeugt davon, dass das Staatliche Schulamt hierbei bestmöglich vorgehen wird. Wir werden dies unsererseits sorgfältig und sorgsam begleiten.
 
Das Vertrauen der Elternschaft - nicht nur an der EMS - in das Verfahren einer Rektoren-Stellenbesetzung hat durch den angesprochenen Fall sehr gelitten. Was ist Ihrer Meinung nach nötig, um dieses wieder herzustellen?
   Voraussetzungen sind Wahrheit, Transparenz und Klarheit. Dazu Offenheit in der Kommunikation mit der Schulgemeinschaft. Wir haben doch sehr viele sehr gute Schulleiterinnen und Schulleiter in Böblingen. Diesen Persönlichkeiten danke ich von Herzen für ihr Engagement. Ich wünsche unseren Schulen auch künftig viele überzeugende Kandidatinnen und Kandidaten die die besten Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mitbringen.
   
Apropos Vertrauen: Ärgert es Sie in Ihrer Rolle als OB nicht, wenn Kinder und Eltern in ihrer Stadt in die Sommerferien geschickt werden, ohne von Kultusministerium, Regierungspräsidium oder Staatlichem Schulamt transparent über den Stand der Dinge aufgeklärt werden? Sie nicht wissen, wie es nach den Ferien weitergeht?
   Ja - das ist ein großes Problem. Eigentlich müssten jetzt alle an einen Tisch. Aber wir haben Ferien und viele sind auf Reisen. Deshalb muss jetzt die Zeit genutzt werden, das weitere Vorgehen festzulegen, damit sofort nach den Ferien losgelegt werden kann. Ich habe noch immer die Hoffnung, dass ein moderierter Prozess helfen kann. Dabei müssen die Fakten ungefiltert auf den Tisch. Nur dann werden wir objektiv sehen, ob an der EMS etwas Unzulässiges geschah und wer gegebenenfalls verantwortlich dafür ist. Wenn das so ist, dann müssten Konsequenzen folgen. Das ist glasklar.
  
Zum Abschluss eine provokante Frage: Wenn Katrin Rombold nach den Sommerferien an der EMS als Rektorin fungiert - und sich Eltern weigern sollten, ihre Kinder in diesem Falle dort zur Schule zu schicken: Wer übernimmt dann die politische Verantwortung dafür, wenn Kinder mit der Polizei zur Schule gebracht werden müssten?
   Wir als Schulträger jedenfalls nicht. Die Zuständigen habe ich bei vorausgegangenen Fragen schon benannt. Aber in einer Vorbildrolle für unsere Kinder sehe ich uns alle. Gemeinsam stehen wir in der Verantwortung zu beweisen, dass wir Erwachsene fähig sind, Konflikte zu Lösen. Konflikte müssen manchmal auch sein, um Klärung herbei zu führen. Bereitschaft zur Konfliktlösung ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens.

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