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"Klare Stellungnahmen müssen kommen"

Böblingen

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    Die Vorkommnisse an der Eduard-Mörike-Grundschule haben auch im Böblinger Gemeinderat für Gesprächsstoff gesorgt. Klare Stellungnahme zu den geäußerten Vorwürfen gibt es hingegen weiterhin nicht - dafür tauchen täglich neue Dinge auf, die hellhörig machen KRZ-Foto: Bischof

Artikel vom 03. August 2014 - 20:24

BÖBLINGEN (dih). Die aktuellen Vorkommnisse an der Böblinger Eduard-Mörike-Schule (die KRZ berichtete) waren auch Gegenstand der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Derweil gibt es von Katrin Rombold, Leiterin der Schule, der von Seiten der Elternschaft massive Vorwürfen gemacht werden, nach wie vor keinerlei Stellungnahme zu den Anschuldigungen. Dafür ließ sie von einer Berliner Anwaltskanzlei Unterlassungserklärungen erstellen und diese an die KREISZEITUNG und die Stuttgarter Zeitung verschicken.

Unter Tagesordnungspunkt 21, der den Namen "Verschiedenes" trug, brachte Daniel Wengenroth, Fraktionschef der Freien Wähler, das Thema Eduard-Mörike-Schule (EMS) aufs Tapet. Zwar habe man als Gemeinderat dort nicht viele Handlungsmöglichkeiten, doch nachfragen, was man als Stadt unternehmen könne, wollte er trotzdem. Schließlich habe sich anscheinend auch schon RTL angekündigt um über die Vorkommnisse an der Schule zu berichten, wodurch Böblingen deutschlandweit ganz schön doof dastehen würde. Eine Frage, die Oberbürgermeister Wolfgang Lützner nutzen wollte, um - auch wenn die Stadt nur Schulträger sei, nicht aber in pädagogischen oder personellen Fragen zuständig sei - am Tag des Sommerferienbeginns Ruhe in die Thematik zu bringen, die von Vorwürfen geprägt ist, die als Spitze die Einflussnahme einer Sekte auf das Schulleben tragen.

"Eltern waren in der Bürgersprechstunde", trug er vor, dass er dabei im Gespräch deutlich gemacht habe, dass das Thema "sachlich und sauber aufgearbeitet wird". Gleichzeitig machte er deutlich, dass er den heftigen Konflikt zwischen Elternschaft und Katrin Rombold bislang eher unter der Kategorie normaler Streit einordnet. "Manchmal reiben sich die Menschen an einer Führungskraft, versuchen den Machtkampf", erklärte er. "Insofern muss man auch abschichten, wo eine Führungskraft vielleicht auch neuordnend unterwegs ist."

Den Vorwurf aus der Elternschaft, der unter anderem auf Informationen von der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche basiert, Katrin Rombold sei in ihrem Wirken von einem Kreis um Jutta Dierks gesteuert, die in Böblingen eine Psychologische Lehr- und Beratungsstelle betreibt, versuchte Lützner die Brisanz zu nehmen. "Es gibt andere Bereiche, wo es Menschen gibt, die heute katholisch, morgen evangelisch und übermorgen Hindu sind. Das gehört in die Privatsphäre. Insofern muss man schauen - gibt es etwas aus der Privatsphäre, das in die Schule hineinwirkt? Es gibt viele Vorgänge, die unmittelbar mit der Schulleitung nichts zu tun haben. Da muss man sauber abschichten." Und zum Thema Jutta Dierks sagte er: "Da muss klar Stellung her. Stimmen die Vorwürfe oder nicht? Ich gehe davon aus, dass dazu in den nächsten Tagen etwas kommen muss. Klare Stellungnahmen müssen kommen." Unmittelbar nach den Ferien wolle er in einen Moderationsprozess einsteigen, unter anderem solle das Schulleitbild der EMS dabei überarbeitet werden. Lützner habe aus Gesprächen mit der Schulleitung den Eindruck gewonnen, dass auch diese diesen Weg befürworte. Zudem trage das Schulamt diesen Weg mit. "Ich denke, dass wir auf diese Art und Weise schnell vorankommen."

Via Facebook habe Lützner festgestellt, dass es Menschen gebe, die in Sachen EMS sehr differenziert unterwegs seien, andere hingegen hätten einen "großen Ölkanister mit Unterstellungen dabei", heizten so das Feuer an. "Das kann ich nicht mit tragen", machte der Oberbürgermeister deutlich. "Sorgen und Ängste müssen aus der Diskussion raus." Es gebe auch in diesem Bereich eine Unschuldsvermutung, man dürfe den Stab nicht über Personen brechen. Nur anhand der schriftlichen Bewertung der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche zu den Vorgängen an der EMS würde sich Lützner nicht trauen, der Schulleitung so einen Vorwurf zu machen. "Das sage ich als Jurist ganz deutlich. Das ist sehr grenzwertig, was ich da gelesen habe." (Anmerkung der Redaktion: Die Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche wird seit vielen Jahren vom Kultusministerium als ein Ansprechpartner empfohlen, um Informationen und Beratung zu dem Themenbereich "so genannte Sekten und Psychogruppen" zu erhalten).

Einwände von SPD-Stadträtin Elke Döbele, die beklagte, dass "unsere Grundschule geschädigt ist" und Bedenken äußerte, dass nach den Vorfällen und weiteren Recherchen der Zeitungen "kein Neustart nach den Ferien stattfinden" könne, unterbrach Lützner mit einer schroffen Zurechtweisung: "Sie sind gerade nicht im Sinne der Stadt unterwegs. Solche Dinge sollten Sie überdenken. Das hat mit Verantwortung zu tun, die wir im Gremium haben."

Auch von anderen Stellen werden Auffälligkeiten gemeldet

Außerhalb des Böblinger Ratsaals schlägt die Causa EMS, Katrin Rombold und Jutta Dierks indes weitere Wellen. Die Schulleiterin reagierte auf die in der Presselandschaft verbreiteten Vorwürfe, die von Seiten der Elternschaft gegen Sie erhoben wurden und zu denen sie keine Stellung beziehen wollte, mit einer Unterlassungserklärung, die von einer Berliner Anwaltskanzlei erstellt wurde, und auch an die KREISZEITUNG verschickt wurde.

Auf der anderen Seite sind neben den Medien auch Eltern und Lehrer inzwischen nicht nur wegen der Vorfälle in Böblingen am Recherchieren, sondern haben nach KRZ-Informationen auch in anderen Städten und Gemeinden im und außerhalb des Landkreises beinahe identisch gelagerte Auffälligkeiten - enge Verbindungen zwischen Schulleitung, Lehrerinnen und Jutta Dierks - ausgemacht, die nach Angaben von Informanten auch schon dem staatlichen Schulamt Böblingen gemeldet worden sein sollen. Dort hingegen gibt man sich weiterhin sehr wortkarg und zeigt wenig Bereitschaft zur Transparenz. Die klare Stellungnahme von Angela Huber, Leiterin der Behörde, lautet so: "Derzeit gebe ich zu der Thematik keine Auskunft, da wir in der Prüfung sind."

=> "Angst und Leid beherrschen das aktuelle Bild" (Dienstagausgabe der KRZ)

=> Leserbriefe zum Thema

=> "Bonbon" zum "Wegkaufen" der KRZ-Dienstagausgbe

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