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Galerieverein erwirbt Bild von Ida Kerkovius

Pastell "Landschaft auf Ischia" von 1955 fügt sich ideal ins Sammlungskonzept der Städtischen Galerie in Böblingen

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Artikel vom 15. April 2014 - 16:54

BÖBLINGEN (red/krü). Der Galerieverein hat vor Kurzem ein Pastell von Ida Kerkovius erstanden. Das Bild aus dem Jahr 1955 sei "eine außergewöhnliche Neuerwerbung", betont der Böblinger Verein. Die "Landschaft auf Ischia" mit den Maßen 70 mal 93 Zentimeter füge sich ideal in das Sammlungskonzept der Städtischen Galerie mit dem Schwerpunkt Stuttgarter Sezession. Zugleich dokumentiere das Bild einer Landschaft auf Ischia einen wichtigen Meilenstein im künstlerischen Schaffen der Schülerin von Adolf Hölzel.

Das Werk war bereits in der Jubiläumsausstellung zum 25-jährigen Bestehen des Böblinger Galerievereins im Sommer 2013 in der Zehntscheuer ausgestellt - als Leihgabe der Stuttgarter Galerie Henn. "Bisher hatte die Böblinger Sammlung nur ein kleines Landschaftsbild von Kerkovius im Bestand", erläutert die Galerieverein-Vorsitzende Ursula Kupke, "und als wir erfahren haben, dass die ,Landschaft auf Ischia' zu bekommen ist, waren wir uns schnell einig." Mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag musste der Böblinger Verein zwar einen relativ günstigen Preis bezahlen, dennoch "versteht es sich von selbst, dass die Anschaffung für uns eine gewaltige finanzielle Kraftanstrengung bedeutet, welche sämtliche Reserven in Anspruch nimmt", betont Kassier Peter Schild. Der Verein hoffe in dieser Sache auf vielfältige Unterstützung.

Die Städtische Galerie Böblingen ist schwerpunktmäßig auf avantgardistisch geprägte Künstlergruppen des südwestdeutschen Raums ausgerichtet. Bereits frühzeitig widmete sie den Frauen in der Kunst spezifische Aufmerksamkeit. So gehört Ida Kerkovius wie Lily Hildebrandt und Alice Haarburger von Anfang an zu den namhaften Malerinnen im Böblinger Bestand seit der Sammlungsgründung.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entdeckten deutsche Künstler die noch unberührte Insel Ischia für kürzere oder längere Arbeitsaufenthalte. Ida Kerkovius ist erstmals 1952 auf der Vulkaninsel im Golf von Neapel. Sie gewinnt in der Ausstellung "Ischia im Bilde deutscher Maler" im Heidelberger Kunstverein 1955 den ersten Preis, der mit einem vierwöchigen Aufenthalt auf Ischia verbunden ist. "Aus den vor Ort gesammelten Natureindrücken entsteht eine Serie an farbenprächtigen, märchenhaften Arbeiten in der Pastelltechnik", weiß Corinna Steimel, die Leiterin der Böblinger Galerie. Zu dieser Serie gehöre wohl auch die "Landschaft auf Ischia", das der Galerieverein erworben hat. "Auf dem Höhepunkt ihres Schaffens kommt hier der für die ehemalige Meisterschülerin von Adolf Hölzel charakteristische Ansatz, den inneren Empfindungen äußere Gestalt zu verleihen, in einer besonders vollendeten Bild- und Farbkomposition zum Tragen", analysiert Steimel.

Ida Kerkovius, die 1879 in Riga geboren wurde und 1970 in Stuttgart starb, hatte auf ihrer ersten Auslandsreise 1902 Adolf Hölzel in Dachau kennengelernt. 1908 folgte sie Hölzel an die Königlich Württembergische Kunstakademie, wird schnell zu Meisterschülerin, und ab 1911 zur Assistentin des bedeutenden Stuttgarter Akademielehrers. Zusätzliche wesentliche Impulse erhielt ihre Malerei und Webkunst durch ihre Aufenthalte Anfang der 20er Jahre am Bauhaus in Weimar bei ihrem ehemaligen Mitschüler in der Hölzelklasse, Johannes Itten, sowie bei Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Stuttgart wird Lebensmittelpunkt für die Hölzel-Schülerin

Stuttgart wird für Kerkovius der Lebensmittelpunkt. Hier muss die in den 30er Jahren der Abstraktion zugewandte Künstlerin in der Zeit des Nationalsozialismus große Einschränkungen hinnehmen und verdient ihren Lebensunterhalt durch Lehrtätigkeit und Bildteppichweberei. Nach 1945 dann entwickelt Ida Kerkovius ihr vielfältiges Werk, insbesondere die Pastellmalerei, konsequent weiter und erhält durch Ausstellungen, öffentliche Aufträge und die Verleihung des Professorentitel überaus große, auch überregionale Anerkennung. Im Jahr 1970 stirbt die Künstlerin nach langer schwerer Krankheit in Stuttgart.

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