Zerstörerische Strudel und stille Weiher

Arbeiten von Angelika Flaig und Lucia Wichmann im Rathaus Aidlingen - Ausstellung dauert bis 24. März

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    Angelika Flaig (l.) und Lucia Wichmann bei der Vernissage der Ausstellung "Fotografie und Grafik: Wasser" im Aidlinger Rathaus Foto: Gaetano Di Rosa

Artikel vom 21. Januar 2014 - 14:36

AIDLINGEN. Wasser ist mehr als eine einfache chemische Verbindung, wie die Ausstellung von Lucia Wichmann und Angelika Flaig im Rathaus zeigt. Bei der aktuellen Ausstellung "Fotografie und Grafik: Wasser" steht alles im Zeichen des flüssigen Elements. Lucia Wichmann aus Schramberg hat sich mit der Digitalfotografie mit dem Thema befasst, während die Kornwestheimerin Angelika Flaig für ihre Lithografien aus der Imagination und Archiven schöpft. Die befreundeten Künstlerinnen haben beide an der Kunstakademie Stuttgart studiert. Sie haben Erika Hambel, Sachbearbeiterin für Kunst und Kultur in Aidlingen und die Ausstellungsstätte im Rathaus bei der Schau "Zinnober" im November 2013 kennen gelernt. Die Schau war von Erika Hambel, der Leiterin des Arbeitskreises Kunst und Kultur veranstaltet worden.

Dabei waren Mitglieder der Werkstätten aus dem Künstlerhaus Stuttgart zu Gast - darunter Angelika Flaig. Die Künstlerin war vom Rathaus sehr angetan und wollte deshalb mit Lucia Wichmann dort ausstellen. Die beiden haben zur Vernissage noch einen Audio-Künstler aus Esslingen mitgebracht - Rolf Kränzler, der im Künstlerhaus Stuttgart ein Soundstudio hat. Der Tonmeister schafft Audio Art für Videokünstler und Tanzkompanien und hat bereits mit Stockhausen kooperiert.

Bei der Eröffnung zerkleinert er Eisstücke in einem Wassergefäß, das mit Verstärkern versehen ist. Diese sind mit vier Lautsprechern verbunden und lassen das Eis knarzen, knacken und schließlich lautstark krachen.

Mittels Verstärker Eiswürfel zum Bersten gebracht

"So muss es sich auf der Titanic angehört haben, als man den Eisberg entdeckte", findet der Bürgermeister Ekkehard Fauth, und die Zuschauer applaudieren anerkennend. Man darf sich auch an die abschmelzenden Gletscher an den Polen erinnert fühlen, deutet Kränzler an.

Die Exponate der beiden Künstlerinnen unterscheiden sich stark voneinander, aber in beiden zeigt sich das starke Interesse an der Bewegung des Wassers: Angelika Flaig kombiniert in ihren Lithografien Kopien von technischen Zeichnungen mit Materialabdrücken, für die sie zum Beispiel Schnüre, Netze und Folien verwendet, mit freien Formen. Manche Arbeiten bestehen aus bis zu zwölf Drucken. Flaigs Imagination führt den Betrachter an Brunnen und Weiher und manchmal auch mitten in die Mythologie hinein: Durch wilde Wasserstrudel fährt der Fährmann Charon die Verstorbenen über den Styx in den Hades, während das Boot fast zu zerschellen droht.

In anderen Bildern sind Wassergöttinnen und filigrane Zeichnungen von Brunnenanlagen und Wasserwerken zu entdecken, die Flaig in Archiven aufgespürt hat. Sie treffen auf schlingenartige Linien, dynamisch geschwungene Strukturen und prägnante Farbflächen. Meist sind die Bilder in Schwarz-Weiß gehalten; doch hier und da mischen sich auch Blau oder Rot ins Bild. Flaig begreift die Lithografie nicht als Medium zur Vervielfältigung, sondern vielmehr als malerische Technik: "Ich bin immer im Fluss", so die Künstlerin.

Lucia Wichmann hält in ihren Fotografien Gewässer aus der Region um Ulm herum fest und fängt Reflexionen, Lichtstimmungen, Wellenmuster und reizvolle Pflanzenstrukturen ein. Sie fotografiert zum Beispiel durch dürre Zweige hindurch und widmet sich Details wie naseweis durchs Wasser lugenden Schilfhalmen, niedergetretenen Grasbüscheln und Seerosenblättern.

In anderen Exponaten sind Licht und Schatten die eigentlichen Protagonisten, etwa in der Momentaufnahme einer Brücke, unter der ein Schwan hindurch gleitet. Auch in ihren Arbeiten ist die Kraft und Gefahr des Wassers zu spüren, so zum Beispiel in den Aufnahmen von Abbrucharbeiten am Wasser. Die Fotos wirken zugleich sehr ästhetisch - etwa der sprühende Strahl, der durch das Gebäude dringt, oder die Strukturen der Heizkörper, die ins Wasser zu kippen drohen. Eine Aufnahme des Donauhochwassers 2013 erscheint eher friedlich: Die Straße gehört nun den Enten.

Wichmann verändert ihre Fotografien kaum: "Es war mir wichtig, die ursprünglichen Motive stehen zu lassen, sie allenfalls etwas zu steigern", sagt die Künstlerin. Sie führt das darauf zurück, dass sie viel Ölmalerei betreibt, was auch in den Fotografien zu spüren ist: Manche muten fast impressionistisch an.

Die Ausstellung "Fotografie und Grafik: Wasser" ist noch bis 24. März zu den Öffnungszeiten des Aidlinger Rathauses zu sehen. Diese sind montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr, montags und dienstags von 13.30 bis 16 Uhr sowie am Donnerstag von 13.30 bis 18 Uhr.
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