Nur zwei Haltepunkte im Landkreis

Hermann-Hesse-Bahn nach Calw: Gutachten verabschiedet sich von Stopps in Dätzingen und Schafhausen

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    Noch markiert der Prelbock das Ende der Schienenverbindung nach Calw Foto: Bischof

von Michael Stürm

Artikel vom 02. Dezember 2013 - 17:36

KREIS BÖBLINGEN. Wenn die Hermann-Hesse-Bahn einmal zwischen Renningen und Calw verkehren sollte, dann wird sie keine Zwischenstopps in Dätzingen und Schafhausen einlegen. Dies verdeutlichte gestern der Gutachter im Verkehrsausschuss des Kreistags. Ob der Kreis Böblingen sich an dem zwischen 50 und 60 Millionen Euro teuren Reaktivierungsprojekt beteiligen wird, soll im nächsten Jahr beschlossen werden.

Mit dem Aus für die Haltepunkte Dätzingen und Schafhausen würde die Bahn in den Nordschwarzwald mit Weil der Stadt und Renningen nur noch zwei Haltepunkte im Kreis Böblingen bedienen. Laut Gutachter Gerald Hamöller von der Karlsruher Transport-Technologie-Consult wäre die Hesse-Bahn vom Land nicht mehr förderfähig, wenn sie auf der alten Trasse um den Hackstberg bei Schafhausen geführt wird. Denn ein kurzer Tunnel würde eine Schleife um diese Erhebung überflüssig machen. Die Fahrzeit wäre um fünf Minuten kürzer, schwierig herzustellende Begegnungsabschnitte könnten damit ebenso gespart werden wie die Anschaffung von zusätzlichen Fahrzeugen.

Dass diese Erkenntnis die der Hesse-Bahn gegenüber kritischen Stimmen nicht vermindern dürfte, war Landrat Roland Bernhard bewusst. Deshalb machte er klar, dass der Landkreis "nicht im Bremserhäuschen" sitzen wolle. "Diese Reaktivierung liegt uns am Herzen", bekundete Bernhard.

Die nicht realisierbaren Haltestellen sind indes nicht die einzigen Punkte, die die Kritiker aus dem Landkreis, wie berichtet, bemängeln. Dass die Hesse-Bahn zwischen Weil der Stadt und Renningen parallel zur S-Bahn fährt, sorgt nicht nur bei einigen politisch Verantwortlichen für Unbehagen - vor allem wegen der Betriebssicherheit auf der eingleisigen Strecke. Auch Gutachter Gerald Hamöller sah das "etwas kritisch". Eine nähere Untersuchung wird wohl zeigen müssen, ob der Optimismus der DB-Netz-Verantwortlichen in dieser Sache gerechtfertigt ist.

Wie denn der Landkreis auf die erwartete Mitfinanzierung reagieren werde, wollten die Kreisräte vom Landrat wissen. Diese Frage werde erst im kommenden Jahr relevant, antwortete Roland Bernhard. "Wenn klar ist, dass das Land die Bahn fördert, dann tickt die Uhr." Bisher steht im Raum, dass der Landkreis Böblingen bis zu 20 Prozent der Kosten übernimmt. Dass eine Beteiligung allerdings nicht ohne Gegenleistung zu haben sein wird, ließ Bernhard ebenso durchschimmern. Böblinger Interessen wie der reibungslose Parallelbetrieb der S-Bahn, eine für Renningen erträgliche Lärmbelästigung und der Elektrobetrieb werden erwartet. Letzteres würde auch für Synergieeffekte mit der Schönbuchbahn sorgen. Ein gemeinsam genutzter Betriebshof und eine gemeinsam organisierte Fahrzeugbeschaffung könnten dort die Kosten mindern. Bis es soweit ist, wird jedoch noch ein weiteres Gutachten folgen. Das soll den Nutzwert der Hesse-Bahn für den Landkreis Böblingen aufzeigen. bisher ist nur bekannt, dass rund 500 der täglich 2800 Fahrgäste Richtung Böblingen weiterfahren.

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