Die Bahn arbeitet an der Pünktlichkeitsproblematik

Im Verkehrsausschuss des Kreistags war die Unzufriedenheit mit der S-Bahn Thema

Von Michael Stürm

Artikel vom 02. Dezember 2013 - 17:36

KREIS BÖBLINGEN. Der Landkreis hängt am Tropf der S-Bahn. Mit der S1, der S6 und der S 60 rollen gleich drei Linien durch die Gemarkung des Kreises. Viele Tausend Fahrgäste sind daher auch betroffen von den Pünktlichkeitsproblemen der Nahverkehrszüge. Gestern statteten daher Dr. Jürgen Wurmthaler, Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart, und Hans-Albert Krause, kaufmännischer Leiter der zuständigen DB Regio, dem Verkehrsausschuss des Kreistages einen Besuch ab. "Miteinander reden bevor man übereinander herzieht", nannte Landrat Roland Bernhard das Motto der Visite.

Von Seiten der Landkreisverwaltung mangelte es nicht an Kritikpunkten. In der Sitzungsvorlage war von Problemen auf sämtlichen Strecken die Rede. Vor allem die S-Bahnen aus Stuttgart bringen regelmäßig Verspätung aus der Landeshauptstadt mit und bereiten damit den Fahrgästen im Landkreis Anschlussprobleme an die weiteren Schienen- und Busverbindungen. "Ein verpasster Anschluss", heißt es in dem Landkreis-Papier, "kann dazu führen, dass ein Fahrgast erst eine ganze Stunde später nach Hause kommt, wenn sein Anschluss nur stündlich verkehrt".

Dass der Verband Region Stuttgart mit den Leistungen der Bahn, die den S-Bahn-Betrieb in der Region verantwortet, nicht zufrieden ist, daraus machte Jürgen Wurmthaler keinen Hehl. "Wir waren schon bei 98Prozent Pünktlichkeit, heute sind wir bei 96 Prozent. Das merkt der Fahrgast", betonte Wurmthaler. Dass der Kreis Böblingen unter knappen Anschlüssen bei der S 60 und einer sehr langen und damit verspätungsanfälligen S 1 leide, sei bekannt. Man erkenne aber an, dass die Bahn daran arbeite.

Bahn-Mann Hans-Albert Krause machte deutlich, wo die Schwachpunkte liegen: Trassen, die die S-Bahn sich mit Fern- und Güterverkehrszügen teilen müsse, immer mehr Fahrgäste und komplexe Verbindungskonstruktionen wie bei der S 60, die in Renningen geteilt wird, machten dem Nahverkehr das Leben und damit die Pünktlichkeit schwer. Hinzu kommen laut Krause Faktoren, deren Auswirkungen mitunter schwer vorherzusehen seien. Zum Beispiel Baustellen, Störungen in den Leitungen, Unfälle oder Menschen auf den Gleisen. Folge seien stundenlange Streckensperrungen oder Fahrplanverzögerungen im gesamten Netz.

Schwachpunkt Tunnel

Schwachpunkte sind vor allem der Bereich zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Bad Cannstatt sowie der Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße. "Diese sind nicht so ohne weiteres zu beseitigen", sagte Krause. Dennoch: "Wir können besser werden", versicherte Krause.

Jürgen Wurmthaler zeigte auf, wo: Man wolle sich in den nächsten Monaten die Anschlussthematik anschauen, eine raschere Abfertigung der Züge anstreben und die Informationssysteme verbessern. Außerdem seien für das kommende Jahr sieben Millionen Euro für "präventive Instandhaltungsmaßnahmen" vorgesehen. Weitere 23 Millionen Euro kämen ausschließlich der S 1 zugute. Für diesen Betrag werden vier Züge gekauft, die 16 zusätzliche Verbindungen pro Tag ermöglichen. Zu viele Hoffnungen wollte Wurmthaler allerdings nicht wecken: Mit diesen Maßnahmen werde sich nicht von heute auf morgen alles in Wohlgefallen auflösen, kündigte er an.

Dass die Kundschaft sehr sensibel auf Verspätungen reagiere, war eine Botschaft, die der Landrat den beiden S-Bahnverantwortlichen mit auf den Weg nach Stuttgart gab: "Die gefühlte Unpünktlichkeit ist größer als die statistische Unpünktlichkeit", warnte er und forderte alle politisch Verantwortlichen auf, Druck auf die Bahn zu machen, damit sie mehr Geld in die Infrastruktur stecke.

Verwandte Artikel