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Das Vertrauen in Vöhringer ist dahin

A 81-Deckel: Bürgerinitiative wendet sich von Sindelfingens OB ab

Artikel vom 08. November 2013 - 10:00

BÖBLINGEN/SINDELFINGEN. Nach dem Ultimatum des Böblinger Gemeinderats zur Deckel-Finanzierung setzt die Bürgerinitiative "Leise A 81" nun alle Hoffnung auf den Sindelfinger Gemeinderat. Der könnte eine rasche Finanzierungszusage vor Ablauf der Ausstiegsfrist Böblingens beschließen. Mit Sindelfingens Oberbürgermeister Bernd Vöhringer haben die Streiter für einen Lärmschutz-Deckel hingegen gebrochen: "Wir sind sehr sehr enttäuscht von der nicht mehr erklärbaren Haltung Vöhringers", sagt Leise A-81-Sprecher Hans Ambros.

Vom Rathauschef in Sindelfingen erwarten sich die betroffenen Bürger offensichtlich keine Unterstützung mehr. "Wir haben alle das Vertrauen in Herrn Vöhringer verloren", beschreibt Ambros die Stimmung in der Bürgerinitiative. Dort wird dessen Kurs, als einziger Finanzierungspartner weiterhin auf Nachverhandlungen über die Verteilung etwaiger Kostensteigerungen zu beharren, als Blockade verstanden. "Viele Jahre konnten wir uns auf Vöhringer als Deckel-Befürworter verlassen", betont Ambros. "Diesen Schwenk des Oberbürgermeisters", klagt er, "kann keiner verstehen."

Der BI-Mann hält es für "unseriös" von Vöhringer, dass er Argumente wie Folgekosten für die Pflege der Deckelbegrünung in Stellung bringe, um Kostenrisiken darzustellen. Der Bund habe erklärt, dass diese Befürchtungen haltlos seien, da er als Baulastträger diese übernehmen werde.

Eine plausible Erklärung für Vöhringers Wende hat Hans Ambros, der als Böblinger SPD-Gemeinderat für das Ultimatum gestimmt hat, nicht. Er mutmaßt, dass es dem Sindelfinger OB schlichtweg ums Geldsparen geht, denn immerhin gilt es für die beiden Städte, eine Summe von rund sieben bis neun Millionen Euro als Kostenanteil an den 65 Millionen Deckelkosten zu berappen.

Für Hans Ambros und die BI-Mitstreiter gilt dieses Argument nicht. Dass die Investitionen hoch seien für die Kommunen, stellt er nicht in Abrede. Hier gehe es aber auch um Gesundheit, Lebensqualität und Ruhe für viele Menschen in Autobahnnähe. "Das ist eine Jahrhundertinvestition, die nicht mit einer normalen kommunalen Ausgabe vergleichbar ist", befindet Ambros.

Kritik adressiert Hans Ambros aus diesem Grund auch an Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Lützner, der sich - wie berichtet - beim Beschluss des Ultimatums der Stimme enthalten hatte. In einer persönlichen Erklärung formulierte Lützner, dass er mit "große Sorge" zur Kenntnis nehme, dass sein Gemeinderat auf eine Kostenobergrenze bei der Deckel-Finanzierung verzichte. Persönlich sehe er die Prioritäten in Zukunft nicht bei Lärmschutzmaßnahmen, von denen nur ein sehr geringer Teil der Bürgerschaft profitiere.

Worte, die bei der Bürgerinitiative nicht gerne gehört werden. Wenn der Deckel scheitere, gebe es auf Ewigkeit einen von Lärmschutzwänden umgebenen "Kanal" zwischen den beiden Städten, unterstreicht Hans Ambros. "Wer das verantworten will", fordert er, "der muss das sagen".

Die Bürgerinitiative setzt nun ganz auf die Sindelfinger Gemeinderäte. "Wir werden den Fraktionen unmissverständlich sagen, was wir von ihnen erwarten", kündigt Hans Ambros an. Erste Gespräche stimmen die BI-Leute optimistisch und lassen zumindest keine Trotzbewegung in Sindelfingen erkennen. Ambros spricht von "positiven Signalen" - auch nach dem Bekanntwerden des Böblinger Vorstoßes.

Bernd Vöhringer war gestern zu keiner Stellungnahme bereit. Heute möchte er in einer Pressekonferenz zu den Entwicklungen Stellung nehmen. Siehe auch Leserbriefe

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