Wer investiert auf dem Klett-Areal?

Im Oktober fällt Entscheidung über den Verkauf des 3000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Bahnhofstraße in Böblingen

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    Die Garagenschuppen und der Innenhof gehören bis zur Stützmauer des links anschließenden Parkplatzes zum Klett-Areal: Auf rund 3000 Quadratmetern könnte neu gebaut werden KRZ-Foto: Bischof

Es ist ein innerstädtisches Filetstück, das lange Jahre angeboten wurde wie Sauerbier. Jetzt, da die Mercaden wachsen, lecken sich die Investoren plötzlich die Finger nach dem 3000 Quadratmeter großen Klett-Areal an der Bahnhofstraße in Böblingen.

Von Otto Kühnle

Artikel vom 19. September 2013 - 19:18

BÖBLINGEN. Eigentlich sollte schon Ende August entschieden werden, wer das Areal zwischen Bahnhof-, Bonz- und Sussmann-Straße entwickeln wird. Noch aber sind einige Fragen der Finanzierung zu klären, wie Miteigentümer Max Nowak erläutert. Bis 15. Oktober läuft die notariell verbriefte Option für einen Investor, der in Vaihingen seinen Firmensitz hat und in Böblingen wohnt. "Wenn dies nicht klappt, werde ich das Areal interimsweise übernehmen", macht der Inhaber des Reformhauses deutlich, dass er dann auf jeden Fall die Weichen für eine Neubebauung stellen will. Mit den Banken sei dies bereits vorbereitet, so dass er die Anteile der anderen Familienmitglieder übernehmen könne.

Allerdings will sich der 55-Jährige nicht selbst in das Abenteuer einer Bebauung stürzen, die "locker eine zweistellige Millionensumme umfasst". Denn im Hintergrund hat er schon Fäden mit einem weiteren Interessenten geknüpft, der über genügend Erfahrung, Kapital und intime Marktkenntnisse im Raum Böblingen verfügt. Die Eigentümer hatten die Immobilie mit den Gewerberäumen an der Bahnhofstraße und den Parkplätzen und Schuppen im rückwärtigen Bereich jahrelang auf dem Markt feilgeboten, "doch keiner kam auf die Idee, das zu kaufen". Nun, da das benachbarte Einkaufszentrum Mercaden aus dem Boden wächst, "wachen alle aus dem Dornröschenschlaf auf", wundert sich Max Nowak.

Immerhin gehört das Areal jetzt zum Sanierungsgebiet und es winken städtische Zuschüsse - zumindest für die Abrissarbeiten. Und die Stadt, dies hat Oberbürgermeister Wolfgang Lützner jüngst erst öffentlich deutlich gemacht, ist entschlossen, diesen Hebel zu nutzen, um eine "Lösung aus einem Guss hinzubekommen", wie Nowak dies beschreibt. Heißt: Der Altbestand soll komplett fallen. Obwohl der Reformhauschef am ältesten Teil an der Ecke zur Bonz-Straße gerne festgehalten hätte. Denn diese Bebauung in reinem Bauhausstil stammt aus den 1920er Jahren. 1959 wurde dann Richtung Bahnhof angebaut. Mit einer weißen Wanne im Untergeschoss. "Die ist nach wie vor tadellos dicht", betont Nowak. Und die damals neue Bauweise mit vorgespannten Decken ermöglichte Flächen bis zu 700 Quadratmetern ohne Säulen - damals selten. Heute profitiert noch die Tanzschule Bode als Mieter im Obergeschoss von der Konstruktion.

Stadt will Neubebauungauf dem gesamten Areal

Doch Aufstocken und im rückwärtigen Bereich neu bauen, wie dies ein Investor ins Auge gefasst hatte, ist mit der Stadt nicht drin. Deshalb soll der gesamte Altbestand samt der Garagen im rückwärtigen Bereich abgerissen werden. Die Mietverträge laufen bis Ende 2014, dann könnte mit dem Neubau begonnen werden. Nowak selbst will nach einer Interimslösung - womöglich auf dem Krauß-Areal - in den Neubau selbst wieder einziehen. Und dies mit vergrößerten Flächen. Reformhaus und Naturkostangebot sind heute auf 240 Quadratmetern beengt, künftig sollen es 300 bis 400 Quadratmeter sein, ergänzt um ein Naturkost-Bistro-Angebot. Da das Areal auch künftig von der Dr. Richard-Bonz-Straße aus angefahren werden kann, können die Kunden des Reformhauses auch weiterhin mit einem Parkplatzangebot rechnen. "Ich brauche zehn Stellplätze", hat Nowak ausgerechnet. Auch wenn er Optionen für andere Standorte geprüft hat, bleibt die Bahnhofstraße der absolute Favorit. "Unsere Kunden wollen uns hier haben", hat er erfahren. Und die umliegenden Geschäfte profitieren ebenfalls von dem Frequenzbringer mit seiner kaufkräftigen Kundschaft.

Im rückwärtigen Bereich bietet sich die Chance für Wohnungsbau, laut Bebauungsplan darf an der Bahnhofstraße mit vier Geschossen plus zurückspringendem Dachgeschoss geplant werden. Wie eine abgestufte Bebauung aussehen könnte, zeigt der Neubau an der Ecke Bahnhof-/Bonzstraße, der sich in Richtung DRK-Heim erstreckt.

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