Umjubelter Auftritt von zwei Soul-Sisters

Theresa Burnette und Onita Boone unterhalten Publikum im "Blauen Haus" in Böblingen bis weit nach Mitternacht

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    Eindrucksvolle Erscheinung, eindrucksvolle Stimme: Onita Boone im Blauen Haus in Böblingen Foto: Gaetano Di Rosa

Mit der in Stuttgart lebenden Soul- und Gospelsängerin Theresa Burnette hat das umtriebige Programmteam des "Blauen Hauses" in Böblingen eine äußerst publikumswirksame Attraktion gewinnen können, wie gerade auch das gemeinsame Konzert mit "Stargast" Onita Boone am Freitagabend zeigte.

Artikel vom 08. Juni 2013 - 19:12

BÖBLINGEN. Der Abend im rappelvollen Veranstaltungssaal ließ sich mit der Begleitband um den Böblinger Gitarristen Philipp Konowski gleich mal interessant an: Bei dem Stück "Hottentot" von Rockjazz-Hero John Scofield konnten sich die beteiligten Instrumentalisten mal ohne die spätere weitgehende Reduktion auf Begleitarbeit so richtig eingrooven und freispielen.

Der versierte Konowski mit einigen flüssigen Sololinien über die Akkordwechsel dieses Jazz-Fusionsstückes wechselte sich mit dem von Burnette kurzfristig mitgebrachten Saxophonisten Mims mit hier sehr frei bis schräg intonierten Chorussen ab. Die ebenfalls in der Stuttgarter Jazzszene verorteten Mitmusiker Benedikt Moser (Piano), Christoph Sauer (Bass) und Christoph Ruff (Schlagzeug) erwiesen sich als sehr "tighte" und den Anforderungen des jeweiligen Songs einfühlsam gerecht werdende Rhythmusgruppe. Ab dem folgenden Soulpopsong mit Sängerin Burnette entwickelte sich eine den gesamten Abend über anhaltende kollektive, zunehmend auch schweißtreibende Tanzwallung in dem sichtlich begeisterungsfähigen Publikum.

Mit "Everyday I have the blues" wurde die einzige traditionelle Bluesnummer des Abends von Theresa Burnette regelrecht zelebriert. Die Frau hat neben einer beeindruckend voll tönenden Soulstimme auch die Bühnenautorität, um das Publikum einzubeziehen, kleine Wortspiele einzustreuen und dabei die Dynamik der Band großartig zu nutzen. Interessant wie Burnette den alten Folkrock-Klassiker von Crosby, Stills, Nash & Young "Love the one you're with" in ihren soften Soulpop-Stil adaptiert, diesem Song ein anderes Rhythmusgerüst unterlegt und insgesamt so überzeugend interpretiert, dass man die gewohnten Harmoniestimmen des Originals in keiner Weise vermisst.

Die nachfolgende Konzertstrecke gehörte dann "Special guest" Onita Boone, die zu den mittlerweile schwülen Raumtemperaturen passend leicht gekleidet die Bühne übernahm und mit ihrem kahlgeschorenen Kopf, einer riesigen Retro-Sonnenbrille und zuweilen etwas schnutigem Mienenspiel den Extravaganzpegel deutlich nach oben trieb. Ausgestattet mit dem Vorschusslorbeer, den Gesangscontest eines bekannten Privat-TV-Senders gewonnen zu haben, zeigte die bei Köln lebende Afroamerikanerin bei Songs von Stevie Wonder und Chaka Khan, dass sie ihr Ge-sangs-Handwerk gut gelernt hat. Über teils

Mal samtig, mal schneidend

schwere 80er-Jahre-Discofunk-Grooves gab Boone ordentlich Gas und scattete improvisatorisch durch die eine oder andere Songsequenz. Ihre in mittleren Stimmlagen sehr samtig und angenehm klingende Stimme bekam bei den ekstatischeren Kopfstimmenpassagen dann durchaus mal eine schneidend-schrille Färbung. Ein musikalischer Höhepunkt ihres Konzertparts waren der Beatles-Klassiker "Come together" (klasse hier das sich hypnotisch durchziehende Gitarrenriff von Philipp Konowski über eine heavy Drums-and-Bassfigur von Drummer Ruff und Bassmann Sauer), der von einem flinken Pianosolo Benedikt Mosers und einem rotzig-angerauten Tenorsaxophon-Spot von Gastmusiker Mims veredelt wurde.

Im zweiten Konzertteil konnte Boone dann in der wunderschönen Ballade "I can't make you love me" der amerikanischen Südstaatenlegende Bonnie Raitt ein besonderes Glanzlicht setzen. Sehr überzeugend, wie sie hier über die elegischen Pianoakkorde Mosers sehr einfühlsam die Gesangsverse singt und sichtlich einen Gänsehautmoment in der sonst eher tanzorientierten Konzertstrecke schafft. Die vom Publikum nachhaltig vorgetragenen Bitte nach einer Zugabe kam Onita Boone mit dem James-Brown-Hit "It's a man's world" nach. Die Band shuffelt sich hier gemächlich durch die Akkordfolgen und Boone nutzte die Gelegenheit, um die textliche Aussage des in der Vergangenheit nicht als Feministen hervorgetretenen "Godfather of Soul" mit ihrem Verständnis der Aufträge an Männer und Frauen im ewigen Beziehungsgeschwurbel zu erweitern. Das Publikum schien für die Botschaft gut erreichbar und schenkte der zuweilen etwas divenhaft agierenden Boone einen vielumjubelten Bühnenabgang.

Theresa Burnette verblieben die letzten Songs eines sehr langen Konzert- und Tanzabends, den sie mit der sehr gut aufgelegten Band und einem fröhlichen "We go round in circles" deutlich nach Mitternacht beendete.

Es bleibt anzumerken, dass die abwechslungsreich verschiedene Publikumsgruppen ansprechende Programmgestaltung des "Blauen Hauses" auf die Erfolgsspur geführt hat und die sehr engagierten Kulturmacher für die in Böblingen über Jahre zu konstatierende Livemusik-Brache einen gar nicht zu überschätzenden Dienst geleistet haben.

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