Stimmungsmache gegen Radfahrer?

Leserbrief vom 05. August 2020 - 10:30

Den Ausführungen des Hubert Bohner in seinem Leserbrief vom 30. Juli muss heftigst widersprochen werden. In keiner der angesprochenen Lesermeinungen in Sachen Radverkehr wird Stimmung gegen Radfahrer gemacht. Es wird darin die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass Böblingen zur Stauhauptstadt des ganzen Landkreises werden wird. Herr Bohner hingegen versucht die kritischen Stimmen mit martialischen und vor Verallgemeinerung strotzenden Formulierungen zu kriminalisieren: "Autofahrer halten sich nicht an die Straßenverkehrsordnung", Passanten würden "ständig zur Seite gedrängt, "mit Verletzungen oder gar dem Tode bedroht", "jeden Tag sterben Radfahrer durch rücksichtslose Autofahrer". Herr Bohner, ich erlebe auch Kampfradler die ihrerseits andere bedrohen.

Die Vorstellung, dass von nun an viele der "fitten" Autofahrer umgehend auf den ÖPNV und das Rad umsteigen werden, wird ein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben. Noch grotesker scheint mir der Hinweis, als Arbeitnehmer in grosser Zahl fortan mit dem Rad nach Stuttgart, Esslingen und an den Neckar zu pendeln. Ja, zu solchen Zielen fahre ich in der Freizeit, aber dazu brauche ich keine überdimensionierten Radstreifen. Ein Treppenwitz, dass hunderte Böblinger mit dem Fahrradanhänger oder Lastenrad zum Einkaufen, zum Entsorgen von Wertstoff und Heckenschnitt durch Böblingen düsen. Bleiben wir doch bitte in der Realität.

Im Amtsblatt wird aufwendig für den Elbenplatzumbau geworden. Die Erkenntnis, dass der Platz, um die Bedürfnisse aller Verkehrsarten angemessen zu berücksichtigen, zu klein ist, gipfelt in der Lösung, den Autoverkehr rabiat zu beschneiden. Ein "entweder oder" war weder bei der Energiewende - alles auf Sonne und Wind - noch in der Verkehrswende - alles auf e-Mobilität - zielführend. Genau so wenig wie "alles auf das Rad". Ist nicht das Prinzip des "sowohl als auch", weniger von Wunschträumen als vielmehr von der Realität bestimmt, sinnvoller? Die Gewerbetreibenden haben dies ja unlängst mit schlagkräftigen Argumenten zum Ausdruck gebracht. Auch nach dem Umbau des Elbenplatzes ändert sich nichts entscheidend auf dem Altstadtring, außer noch mehr Stau, noch mehr Abgase. "#bbzukunft ade!"

Gerhard Hildinger, Böblingen