Bitte auf dem Teppich bleiben

Leserbrief vom 07. Mai 2020 - 16:24

Zum Artikel "Protest gegen Corona-Maßnahmen" vom 4. Mai

In dem Bericht der Kreiszeitung wird Herr Dr. med. Klaus Lesacher mit zwei Aussagen zitiert, die ich grundsätzlich nicht teile, weil sie in meinen Augen falsch sind. Zum einen hat er das Coronavirus als "vermeintliche Gefahr" bezeichnet. Genau das Gegenteil ist der Fall, wenn man die weltweite Pandemie mit ihren bereits jetzt ablesbaren Folgen betrachtet. Es ist geradezu fahrlässig, dieses Virus, das rund um den Globus bereits zigtausend Todesopfer gefordert hat, als "vermeintliche Gefahr" darzustellen. Es ist vielmehr eine reale Gefahr und die Pandemie ist nach Aussagen unzähliger Wissenschaftler keineswegs beendet, sondern es wird sogar eine zweite und womöglich auch dritte Welle für wahrscheinlich gehalten.

Unter diesen Gesichtspunkten sehe ich auch die Beschränkungen durch die Bundes- und Landesregierung. Dass in diesem Zusammenhang die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger keineswegs abgeschafft sind, machen Got sei Dank die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts deutlich. Ansonsten wäre beispielsweise auch die Demonstration in Ehningen keineswegs möglich gewesen. Es ist gut, wachsam zu sein und zu bleiben, aber genau so gut und wichtig ist es, auf dem Teppich zu bleiben. Dies alles herunterzuspielen und verharmlosen zu wollen, ist unverantwortlich.

Absolut nicht nachvollziehbar ist die Aussage von Herrn Lesacher, wonach er als Ursache der Corona-Krise die konventionelle Tierhaltung ausmacht, wo der Erreger angeblich herstammen soll. Hier wird der Boden jedweder sachlicher Auseinandersetzung verlassen, und an den Haaren herbeigezogenen Verschwörungstheorien Tür und Tor geöffnet. Mit diesen Worten drücke ich mich sogar noch sehr zurückhaltend aus.

Die "konventionelle Landwirtschaft" auf diese Art und Weise an den Pranger zu stellen, ist ausgesprochen schäbig. Und noch eines: Kein einziger deutscher Landwirt ist an dieser Pandemie schuldig. Der Ursprung der Pandemie liegt ganz klar in der Volksrepublik China. Vor diesem Hintergrund gehen inzwischen die Meinungen auseinander, ob das Virus in Wuhan von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde oder aus einem Labor entstammt, in dem fahrlässig gearbeitet worden ist. An dieser Diskussion beteilige ich mich nicht. Glasklar ist jedoch, dass das Coronavirus lebensbedrohend ist. Das genügt, um den Ernst der Situation zu erkennen.

Im Übrigen bin ich froh und dankbar dafür, dass wir noch (!) eine funktionierende Landwirtschaft haben, die uns nach wie vor trotz mannigfacher globaler Schwierigkeiten unsere Lebensgrundlage sichert. Hofläden mit ihren reichhaltigen Angeboten sowie Genossenschaften sind der Beweis dafür, um nur diese Beispiele zu nennen Die regionale Vielfalt ist beeindruckend - gerade wenn ich an den Landkreis Böblingen denke. Ganz abgesehen davon, dass unsere heimische Kulturlandschaft durch unsere bäuerlichen Betriebe, die meist auf eine lange Familientradition zurück blicken, nicht nur gepflegt, sondern auch erhalten wird.

Gerade in einer aktuellen Krise wird deutlich, wie unverzichtbar unsere bäuerlichen Betriebe sind. Davon hängt nicht zuletzt unsere Zukunftssicherung ab.

Wolfgang Heubach, Rohrau