Gänsefüttern ist das Problem

Leserbrief vom 06. Mai 2020 - 16:12

Zum Artikel "Gänse erneut auf dem Vormarsch" vom 5. April

Als Anwohnerin am Oberen See beobachte ich die Gänsepopulation am Oberen See täglich. Im zeitigen Frühjahr waren bereits früh sehr viele Gänse vor Ort. Mit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen (und wohl auch mit dem Aufstellen der Gänsezäune) war ein deutlicher Rückgang an ausgewachsenen Tieren innerhalb von nur wenigen Tagen zu bemerken. Die Gänse sind an die Seen in der Umgebung (Murkenbach, Ganssee und Seen in den umliegenden Wäldern) umgezogen. Das Ergebnis war eine kleine Population, die wirklich nett anzusehen war. Für mich war der einzig logische Rückschluss: Wenn sich weniger Menschen am See aufhalten - und mit "aufhalten" meine ich nicht einfach nur spazieren laufen, sondern verweilen -, gibt es auch weniger Menschen, welche die Tiere füttern, und somit bleiben nur soviel Gänse, wie der See und seine direkte Umgebung auch ernährt.

Seit einer starken Woche, also wieder einhergehend mit der Lockerung der Maßnahmen zum Infektionsschutz, halten sich wieder deutlich mehr Menschen, länger am See auf. Heißt: die Menschen laufen nicht nur am See spazieren, sondern sie verweilen, essen und füttern! Und was passiert mit den Gänsen? Innerhalb einer starken Woche ist die Anzahl an ausgewachsenen Tieren massiv angestiegen! Ich habe aufgehört zu zählen! Es sind zu viel! Dazu kommen nun noch fast ebenso viele Gänseküken. Sicher - die sind nett anzuschauen, wachsen aber rasend schnell und sind in drei bis vier Wochen fast genauso groß wie ihre Eltern. Zudem wurden die Gänsezäune - von wem auch immer - abgerissen und ins Uferschilf geworfen. In mehrfacher Hinsicht keine schlaue Idee! Unter anderem verheddern sich regelmäßig Wasservögel in den lose im Schilf liegenden Zäunen. Ich war schon Zeuge von Rettungsaktionen durch Spaziergänger, und für den See und die Uferzone ist der zusätzliche Müll eine Belastung!

In meinen Augen hat die Zeit der Ausgangsbeschränkungen deutlich gezeigt, dass es eine einfache, wirkungsvolle, äußerst kostengünstige und zudem noch tierfreundliche Möglichkeit gibt, die Zahl der Gänse am Oberen See zu begrenzen: Einfach nicht füttern! Zumal Graugänse weder Brot- noch Getreidefresser sind. Ihre natürliche Nahrung sind Gräser und sonstige Pflanzen. Man tut den Tieren also mit Brot, Butterkeksen und Pizza-Resten keinen Gefallen.

Ich möchte also gerne dazu aufrufen, die Gänse doch endlich in Ruhe zu lassen! Meine damit aber nicht, dass man alle Maßnahmen zu ihrer Vergrämung einstellen soll, sondern dass niemand mehr die Gänse füttert und damit Probleme schafft, die wir ohne füttern nicht in diesem Maße hätten. Von Seiten der Stadt wäre es nötig, dieses Fütterungsverbot noch deutlicher zu kommunizieren und auch zu kontrollieren.

Anja Sklarski, Böblingen