Wer ist für Corona verantwortlich?

Leserbrief vom 06. Mai 2020 - 14:36

Zum Artikel "Die kleinen Flieger schützen und hegen" vom 27. April

Im Interview von Matthias Weigert mit der Fledermaus-Expertin Astrid Grauel wird beiläufig auch die Gefahr einer Übertragung von Viren auf den Menschen in der Massentierhaltung angesprochen. Ein aus meiner Sicht äußerst wichtiger Punkt, der selbst in der momentanen Situation viel zu wenig Beachtung erfährt.

Nehmen wir beispielsweise Hühner. Diese leben zu tausenden ohne Sonnenlicht auf engstem Raum zusammen. Die Tiere sind völlig überzüchtet, können teilweise nicht auf ihren eigenen Beinen stehen. Der Boden ist voller Exkremente, in der warmen stickigen Luft herrscht ein beißender Ammoniakgeruch. Regelmäßig finden Tierschützer in solchen Ställen verletzte oder tote Tiere, die oft tagelang nicht entdeckt werden. Um einem Totalausfall der "Ernte" entgegenzuwirken, bekommen alle Individuen Antibiotika zugefüttert.

Wissenschaftler warnen schon lange, dass das einem perfekten Nährboden für Bakterien und Viren gleicht. Und tatsächlich finden Verbraucherschützer bereits jetzt bei der Hälfte des verkauften Hühnerfleisches antibiotikaresistente Keime. Auch Erreger, wie die der Vogel- oder Schweinegrippe, sind in der Vergangenheit bereits aus diesen Massentierhaltungsställen auf den Menschen übergegangen.

Statt jetzt überheblich auf die vermeintlich fledermausfressenden Chinesen zu schauen, sollten wir daher ebenso den eigenen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen hinterfragen. Denn auch dieser stellt eine hochgefährliche Bedrohung für die ganze Menschheit dar, die jederzeit in einer nächsten Katastrophe enden kann.

Moritz Bohner, Böblingen