Auf die richtigen Maske kommt es an

Leserbrief vom 03. Mai 2020 - 17:36

Zum Rückspiegel-Artikel "Maske auf" vom 25. April

In der Rubrik "Rückspiegel" wurde vergangenen Samstag von Ihrem Chefredakteur kurz und knackig eine Strategie aufgezeigt, das Corona-Virus zu bekämpfen. Zwar zieht er in Betracht, dass möglicherweise zwischen dem Tragen von Masken und neuen Ansteckungen kein kausaler Zusammenhang besteht (Beispiel Jena), doch sei die Maskenpflicht garantiert kein Fehler. Dazu äußerte sich der Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery im Deutschlandfunk am 27. April wie folgt: "Wenn schon Gesetz, dann bitte richtig, aber nicht so, das Versagen der Regierung kaschieren, dass sie bis heute nicht in der Lage sind, uns mit ausreichend Masken zu versorgen. (...) Mir geht es um die gesetzliche Maskenpflicht für eine nicht funktionierende Maske. Hätten wir alle funktionierende Masken, dann fände ich es sogar vernünftig uns zu verpflichten, sie immer zu tragen, wenn wir uns draußen bewegen. Aber eine gesetzliche Pflicht für nicht funktionierende Masken, halte ich für ein Armutszeugnis eines Staates." Das Anlegen einer Maske sei extrem kompliziert und die Leute liefen Gefahr, sich mit einer unsachgemäßen Maske, wie einem Schal, selbst zu kontaminieren. Weiter geht`s mit Datenschutz: Wer sich jetzt um Datenschutz sorgt, hat den Schuss nicht gehört. Es geht um Leben und Tod, so einfach, so schlimm.

Am Ende des Artikels heißt es da auch noch: "Denn es geht bei all den harten Maßnahmen nur um eines: Die Infizierten aus dem Verkehr ziehen, um die Pandemie einzudämmen." Diese Wortwahl ist für mich, die tagtäglich in der Pflege arbeitet, gelinde gesagt, unerträglich. Ich bin fassungslos und mir fehlen die Worte. Bedürftige und Kranke (auch positiv getestete!) brauchen eine Umgebung mit wohlwollender Haltung zur Stärkung des Immunsystems. Solche in dieser Weise getätigten Äußerungen fördern sicher nicht das soziale Klima und den gesellschaftlichen Zusammenhalt, was wir alle dringend brauchen. Sind doch schon Alltagstätigkeiten wie Einkäufe auch schon von psychisch stabilen Menschen nur bedingt auszuhalten, wenn sie von ihren Mitmenschen - von Angst und Panik getrieben - angepöbelt und als potentielle Mörder betrachtet werden. Ich möchte die Situation nicht verharmlosen, doch durch permanente Panikmache ist bestimmt niemandem geholfen.

Eine Maskenshow wie sie in der Montagsausgabe zu sehen ist, passt also eher in den Karneval als in eine Tageszeitung, die sich im Idealfall Informationen unterschiedlichster Quellen bedienen sollte.

Die Beschlüsse der Regierung und der Ministerpräsidenten sind leider einmal mehr Schnellschüsse, um die verängstigte Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen.

Heike Epple, Grafenau