Ein Mangel an politischer Phantasie

Leserbrief vom 13. April 2020 - 19:36

Zur Corona-Pandemie

Es ist wichtig, dass derzeit die sozialen Kontakte auf das Notwendigste reduziert werden, und dass die Einhaltung von 1,5 Metern Abstand gelebt wird, um die Weiterinfektion des Coronavirus zu stoppen. Es wäre zu hoffen und zu wünschen dass dies auch gelingt. Denn bisher weiß niemand ganz genau, wo das Virus herkommt und wann es geht. Aber als Vorsichtsmaßnahme legt die Politik fast das ganze öffentliche Leben still.

Ohne viel Sinn und Verstand und weit weg von jeglicher Phantasie und Intelligenz wird pauschal alles heruntergefahren, was vermeintlich nicht notwendig ist. Es wird ein Maßnahmenkatalog erstellt, den man im Detail nur im Internet erhält, in Radio und Presse wird darüber nicht vollumfänglich berichtet. Er ist auch nicht an jeder Stelle eindeutig ausformuliert und lässt Fragen offen. Aber mit einem Bußgeldkatalog ist man schnell zur Sache. Preussischer Gehorsam! Aus welchem Grund sind denn beispielsweise Spielwarenläden geschlossen? Dass die Menschen Spielwaren bei den Drogeriemärkten kaufen? Dass eine Grundversorgung sichergestellt sein muss, bezweifelt niemand. Aber wo kauf ich meine Schuhe? Oder ein Fahrrad? Bei Real - made in China? Das kann es nicht sein. Man lässt die Non-Food-Geschäfte, Restaurants, Cafés und andere Dienstleister geschlossen und damit ausbluten. Damit riskiert man einen noch größeren wirtschaftlichen Schaden nach der Krise. Arbeitslosenzahlen nehmen zu und Steuereinnahmen fallen weg. Das bringt auch Kommunen in finanzielle Bedrängnis. Es ist davon auszugehen, dass viele dieser Betriebe nicht mehr in der Lage sein werden, ihren Laden zu öffnen. Das hält kein noch so gesunder Betrieb lange durch.

Mir geht es nicht darum, jetzt plötzlich wieder alles zu öffnen und auf Normalgang zu schalten, sondern mögliche Maßnahmen umzusetzen und einen reduzierten Betrieb ermöglichen. Am Beispiel Dehner sieht man wie es geht. Es gibt eine bestimmte Anzahl von Einkaufswagen und somit eine Reduzierung der im Markt befindlichen Personen. Baumärkte und Supermärkte machen es ähnlich. Dies kann man ohne großen Aufwand auch in Non-Food Geschäften umsetzen. Im Übrigen sind die Menschen im Supermarkt näher beieinander als vorgeschrieben, wenn sie in den Regalen nach ihren Waren suchen. Da wären Schutzmasken sinnvoll. Oder bei den Restaurants könnte man auf vorherige Anmeldung einen Tisch für zum Beispiel nur zwei Personen reservieren, wo sonst sechs Personen Platz finden, damit genügen Abstand vorhanden ist. Somit kann ein reduzierter Betrieb stattfinden und es ist kein totaler Shutdown.

Aber dazu braucht es bei den Politikern mehr Phantasie und Intelligenz. Am Ende des Tages haben die jetzt darunter Leidenden dies auf der Rechnung. Die fordern berechtigterweise dann Hilfsprogramme vom Staat und der holt es sich bei der Bürgerschaft. Ein Krisenmanagement, wie jetzt von der phantasielosen Politik nur mit der Gießkanne, ist nicht zielführend. Dazu braucht es mehr Verstand.

 

Albrecht Schlenker, Dagersheim