In welcher Weltleben wir eigentlich?

Leserbrief vom 02. April 2020 - 17:24

Zum Titelseiten-Aufmacher "Strobl: Corona-Verstöße bei der Polizei melden" vom 31. März

Seit Wochen arbeiten neben vielen anderen gerade die Beschäftige im Gesundheitswesen mit einem Einsatz, der weit über die Schmerzgrenze hinausgeht. Jetzt fordert der Ärztliche Direktor des Klinikums Esslingen, dass es dringend notwendig ist, eine Stelle einzurichten, über die zentral die Verlegung von Patienten aus belasteten Regionen in andere Landkreise oder andere Bundesländer organisiert wird. Zurzeit, so Michael Geißler "werden Verlegungen schlicht auf kollegialer Ebene geregelt. Man ruft halt bei den Ärzten an die man kennt, und bittet sie um Hilfe".

In welcher Zeit, und in welcher Welt leben wir eigentlich? Wir lassen uns hochauflösende Bilder vom Mars und seiner Oberfläche senden, wir planen und trainieren für "bemannte" Flüge zu diesem Planeten. Und jetzt, da ein mikrominikleines, unsichtbares Monster dabei ist, unser gesamtes System lahmzulegen, jetzt greifen wir zum Telefonhörer, wenn es gilt, in einem solchen Ausmaß Menschenleben zu retten.

Ich will nicht in das Fahrwasser der Allesbesserwisser springen. Und ich sehe auch, dass in diesen Chaostagen die Regierenden an und über die Schmerzgrenze hinaus im Einsatz sind. Aber ich kann nicht verstehen, dass eine solche, wie vorstehend beschriebene Zentralstelle offensichtlich bis heute noch nicht geschaffen wurde.

Hier haben die Verantwortlichen versagt.

Siegfried Bartholomä, Böblingen