Rechtschreibreformen sorgen für Chaos

Leserbrief vom 25. Februar 2020 - 16:36

Zum Leitartikel "Richtig schreiben? Alles isi!" vom 27. Januar

So wie's Herr Krätschmann wohl sieht, ist die Rächtschraibunck eine Art Mode, beziehungsweise eine Artikulierung des Zeitgeistes, bedingt durch die digitalen Medien. Nun wird gewiß niemand hinter Goethe, der sich zu den Brüdern der Amalia-Loge zu Weimar zählte, einen Verschwörungstheoretiker vermuten, als er weiland die folgenden Worte absonderte: "Was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln." (Faust I) Daraus geht klar hervor: Die Herren - also "die da oben!" - sind dafür verantwortlich, beziehungsweise es ist deren Absicht! Ist hinter der noien Rächtschräibunck also eine beabsichtigte Zerstörung unserer Sprachkultur zu vermuten? Auch die aktuell spürbare De-Instustrialisierung Deutschlands - angefangen beim Transrapid, der heute in China fährt, bis zur aktuellen initiierten Krise unserer Autoindustrie - scheint analog in solch eine Richtung zu zielen! Soll Deutschland künftig ein Agrarland werden oder seine Einnahmen aus dem Tourismus beziehen? Die auffällig vielen Rechtschreibreformen in der späteren BRD waren einzig alle zum Nutzen und Frommen des Duden-Verlages. In den Schulen und in den Schreibbüros sorgten sie dagegen stets für Chaos! Dass sich daraus eine gewisse Rechtschreib-Legasthenie entwickelt hat, scheint das gewollte Resultat zu sein, und zwar von denen, die daran ein Interesse haben, dass das Bewusstsein der Menschen aufs Animalische reduziert wird! Optisch drückt sich das bereits aus in Piercings über den Augenbrauen, auf der Zunge, am Geschlechtsteil, in Ringen in der Nase (hatten früher nur Ochsen!) sowie in Löchern im Ohr, die mit schwarzem runden Plastik ausgefüllt werden! Waren Tattoos früher nur bei Seeleuten und dem "fahrenden Volk" anzutreffen, so trägt heutzutage fast jede Putzfrau solch einen bunten Körperschmuck und zwar oftmals flächendeckend wie eine Litfaßsäule! "Säule" ist andererseits die schwäbische Niedlichkeitsform für "Sau"! Wie jedem halbwegs Gebildeten klar sein dürfte, vollzieht sich unser Denken aber vorwiegend in der Sprache. Die Sprache wiederum kreiert unser Bewusstsein! Aber auch die Umgebung trägt dazu bei. Ein Beispiel: In einer lärmenden Fabrikhalle hat in der verbalen Artikulation nur der restringierte Sprachcode eine Chance! Wenn der Meister den Lehrling ruft "Komma her!", so meint er eigentlich "Komm doch bitte mal zu mir!" Diese letztere, richtige (elaborierte) Sprachform würde allerdings situationsbedingt im Lärm untergehen! Doch leider wird dieser restringierte Sprachcode auch daheim im Arbeiterhaus "gepflegt"! Das erklärt wiederum, dass aufgrund der dadurch geringeren Bewusstseinsbildung, der prozentuale Anteil der Arbeiterkinder an der Uni bemerkenswert niedrig ist! Nennen wir die Schriftsprache eine "zu Papier" gebrachte Form unserer Gedanken, so erkennen wir bereits, dass es mit diesen tatsächlich nicht mehr weit her ist! Gedanken sind aber nur ein Teil des Bewusstseins. Denn "Bewußtsein" bedeutet reduziert formuliert "das Wissen vom Sein"! Ein Großteil der Bevölkerung scheint dieses Wissen nicht (mehr) zu haben! Sind ihm sind die Koordinaten abhanden gekommen oder genommen worden? Ein aktueller Blick auf die vielen abgesonderten Kommentare beispielsweise bei den Youtube-Videos zeigt uns, wie es nicht nur um unsere Sprache, sondern allgemein um Deutschland bestellt ist!

Hans-Jürgen Held, Böblingen