Heilige Kuh gehört endlich geschlachtet

Leserbrief vom 10. Oktober 2019 - 17:42

Zum Kommentar "Am Limit" vom 6. Oktober über die Grünen-Forderung, ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen einzuführen

"Kein Tempolimit" ist ein deutscher Glaubenssatz, so wie in Amerika der Waffenbesitz. Da haben die Grünen vollkommen recht. Mit Geschmacklosigkeit und Dummheit hat dieser Vergleich nichts zu tun. Eine solche Beurteilung fällt eher auf den Kommentator und seine grenzwertige Argumentation zurück. Ich bin oft auf deutschen Autobahnen von Hamburg bis Singen unterwegs und unterstütze die Forderung nach einem Tempolimit von 130 Stundenkilometern uneingeschränkt. Nach Tacho sind das de facto 140 km/h. Das reicht. Poser, Tempofetischisten oder auch nur Leute, die gerne sehr schnell Auto fahren, bin ich leid. Die dürfen Geschwindigkeitsrausch, Geltungssucht und Aggressionspotenzial am Hockenheim- oder Nürburgring ausleben. Da sind sie richtig.

Wo liegt überhaupt das Problem? In allen Ländern mit Tempolimit fährt es sich viel entspannter, weil die großen und gefährlichen Tempodifferenzen zwischen den Autobahnspuren nicht existieren. Man ist meist sogar schneller am Ziel, weil die gleichmäßigere Fahrweise aller Verkehrsteilnehmer Staus entgegenwirkt. Verbotsanschlag gegen das Auto und die individuelle Mobilität? Geht's noch? Weder das Auto noch die individuelle Mobilität werden durch ein Tempolimit verboten, nicht einmal eingeschränkt. Wer so argumentiert, ist polemisch, emotional und unsachlich. Schade. Ich meine: Die heilige Kuh "Kein Tempolimit" gehört endlich geschlachtet.

Die Statistik, die zeigt, dass die Zahl der jährlichen Massakertoten in den USA höher ist, als die Zahl der Opfer, die durch überhöhte Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen zu beklagen sind, habe ich im Übrigen bei Herrn Molitor angefordert.

Bin gespannt, ob und was er liefert.

Reinhard Siekemeier, Böblingen