Fleischverzicht als Klimaschutz

Leserbrief vom 08. Oktober 2019 - 13:36

Leserbrief zum Artikel "Durstige Avocado vom 21. September

Die "Durstige Avocado, so war am 21. September zu lesen, hat einen Wasserverbrauch pro Kilo von etwa 1000 Liter Wasser hinter sich, bis sie endlich in unserem Magen landet. Dabei ist der Umweltbelastung bezüglich Bepflanzung und Transportwege noch nicht einmal Sorge getragen. Aber bei der Avocado allein darf es natürlich nicht bleiben, wenn wir uns wirklich kritisch mit den Konsequenzen unserer Einkaufsentscheidung auseinandersetzen wollen. Schauen wir uns einmal unseren Kaffee- und Kakaoverzehr an: Für ein Kilogramm Kaffee werden etwa 21 000 Liter Wasser benötigt, für Kakao sogar 27 000 Liter.

Da erscheint das Kaffeepäuschen doch gleich in einem ganz anderen Licht. Und die Tafel Schokolade abends vor dem Fernseher zerläuft auch nicht auf der Zunge, ohne dass am anderen Ende der Welt eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Wer auf Fair-Trade-Artikel setzt, tut der Umwelt und den Menschen in den Anbauländern zumindest insofern etwas Gutes, als dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Kakao- und Kaffeebohnen-Bauern in verträglichem Rahmen geschehen. Auch die Bodennutzung und Schädlingsbekämpfung erfolgt unter anderen Bedingungen als unter den bekannten korrupten, ausbeutenden Bedingungen der Privatiers, denen die Landbevölkerung oft heillos ausgeliefert sind.

Nehmen wir zum Beispiel Rindfleisch: Wer hat sich beim Einkauf im Supermarkt schon einmal gewundert, wie es sein kann, dass man sich für zehn Euro ein Kilo saftige Rindersteaks in den Einkaufswagen legen kann, das in seinem Verlauf zirka 15 000 Liter Wasser verschluckt hat, bis es auf unserem Teller landet? Ordentliche Menge Wasser verglichen mit einem Kilo Avocado das gerade mal 1000 Liter verschluckte, oder Kartoffeln mit dem schlappen Verbrauch von 100 Litern pro Kilo. Fast alle anderen Gemüse bewegen sich ebenfalls im dreistelligen Bereich. Wenn also die Avocado, wie in besagtem Artikel, als "Luxusgut bezeichnet wird, welches Prädikat sollte dann wohl dem Fleisch verliehen werden?

Den enormen Bedarf an Fleisch in Deutschland kann unser Land schon lange nicht mehr stemmen, denn die Schweine, Kühe und das Geflügel sind häufig angewiesen auf die Belieferung von Soja, das um den halben Globus zu uns verschifft wird und ausgelaugte Böden in Südamerika genauso zurücklässt wie menschliche Schicksale.

Wer sich also Gedanken zum Klimawandel macht, mitbedingt durch die starke Abholzung des Regenwalds, der "grünen Lunge der Erde, wer mithelfen will, den Ausstoß von Treibhausgasen in Form von Methan zu verringern, die Artenvielfalt des Amazonasgebiets zu erhalten, sprich: sich Gedanken zum eigenen ökologischen Fußabdruck macht, der kann sich zum Feierabend online über leckere Rezepte "ohne Regenwald informieren und sich beim nächsten Einkauf ein paar Minuten Zeit nehmen, um nach Alternativen zum alltäglichen Sauerbraten, panierten Schnitzel, Geschnetzelten, Rouladen, Kalbsrückensteak, gemischten Braten und Co. zu suchen: Gemüse in allen Regenbogenfarben, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, regionale Obstsorten - das Angebot ist umwerfend und kann super lecker mit kleinem vertretbarem ökologischem Fußabdruck den Gaumen erfreuen. Wie wäre ein Start mit "Freitag mit F wie "fleischlos?

Diana Mueller, Hildrizhausen