Nicht von der Bahn abhängen lassen

Leserbrief vom 24. September 2019 - 15:00

Zur geplanten Unterbrechung der Gäubahn

Wenn die Pläne zur Unterbrechung der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen Wirklichkeit werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der Pendler sinkt, da es keine Direktverbindung mehr für diese zum Stuttgarter Hauptbahnhof gibt. Dies ist für die Orte entlang der Gäubahn ein verkehrstechnisches Desaster. Es steht auch zu befürchten, dass langfristig gesehen die genannten Pläne der Gäubahn das Rückgrat brechen könnten. Da hilft dann auch die Aussicht, dass irgendwann (wohl frühestens 2029) wieder eine direkte Verbindung mit Umweg über den Flughafen-Bahnhof hergestellt wird, wenig. Dies führt zu einer erheblichen Fahrzeitverlängerung an den Stuttgarter Hauptbahnhof, zudem wollen die wenigsten Gäubahn-Fahrgäste zum Flughafen.

Viele Pendler fahren mit der Gäubahn zur Arbeit in die Stuttgarter Innenstadt. Für diese würde sich der tägliche Arbeitsweg durch die Umstiege beziehungsweise später den Umweg über den Flughafen erheblich verlängern. Sowohl die Arbeitsplätze als auch die Wohnorte der Pendler würden an Attraktivität verlieren. Früher sind Politiker, etwa CDU-Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel, öffentlichkeitswirksam mit der Gäubahn nach Stuttgart gefahren. Wir würden uns wünschen, dass sich alle politischen Vertreter und ganz besonders diejenigen, die sich für Stuttgart 21 stark gemacht haben, jetzt ebenso vehement für den Erhalt der Durchbindung der Gäubahn ohne Umweg über den Flughafen zum Stuttgarter Bahnhof einsetzen würden.

Gerade die Politik und die Wirtschaft klagen immer wieder darüber, dass der Bau von Verkehrswegen zu teuer ist und vor allem zu lange dauert, weil beispielsweise auch Bürgerinitiativen dagegen sind. Im Hinblick auf den bereits jetzt schon stattfindenden Verkehrskollaps und die (endlich!) vorhandene Einsicht, dass Umweltschutz ganz oben auf die Agenda gehört, ist die Verkehrswende alternativlos. Wie lässt sich dies mit dem Abbau der Gleise in Stuttgart vereinbaren? Für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag könnte man die Gäubahn problemlos an den Hauptbahnhof anbinden und der Verlust an Wohnbaufläche wäre gering (etwa ein Achtel der Flächen).

Stuttgart braucht nicht nur Wohnbau auf frei werdenden Stuttgart-21-Flächen, sondern auch eine gute, umweltverträgliche Verkehrsinfrastruktur. Diese trägt maßgeblich zur Lebensqualität und Wirtschaftskraft in der gesamten Raumschaft bei. Wir dürfen uns nicht abhängen lassen!

Nicole Sitter, IG Bahn Ergenzingen