Warum kann man sich nicht besser absprechen?

Leserbrief vom 02. September 2019 - 12:30

Zu: "Die Talstraße ist Anarcho-Land", vom 29. August

Eigentlich wollte ich die "Schildbürgerstreiche" des Böblinger Bauamts und der Stadtwerke nicht kommentieren, aber Herr Stürms Artikel reizt mich jetzt doch einmal dazu. Ich möchte vorrausschicken, dass ich ebenfalls ein überzeugter Ganzjahres-Fahrradfahrer bin, der sein Auto nur nutzt, wenn es notwendig ist, z.B. Getränke holen, sperrige Dinge transportieren, etc.

Ohne es gut heißen zu wollen, braucht man sich doch nicht wundern, wenn sich einige Autofahrer "eigene" Fahrwege erschleichen. Was da in letzter Zeit in Böblingen verbockt wurde, würde selbst die angesprochenen Schildbürger wundern. Nur ein paar Beispiele: Da wird die Herrenberger Straße saniert, eine riesige Herausforderung und vermutlich dringend notwendig, aber was macht man dann in Böblingen? Parallel erstellt man neue, zusätzliche Baustellen, z.B. am VoBa-Kreisel (wo doch dort schon fast ein Jahr lang Baustelle war. Hätte man das nicht damals gleich mit erledigen können?) Oder die gleichzeitige Errichtung einer Baustelle in der Kremser Straße, die aufgeteilt in zwei Bauabschnitte jeweils vier bis fünf Wochen gesperrt wird, und die Straßburger Straße zu einem Nadelöhr macht. Kaum fertig damit reißt man die Kreuzung Pontoiser-, Straßburger- und Bergamastraße auf, und sperrt die Zufahrt vom Maurener Weg aus. Auch diese Baustelle zieht sich inzwischen schon sechs bis sieben Wochen hin.

Wenn man solche Baustellen, die vielleicht wirklich notwendig sind, einrichtet, sollte man doch man doch so schnell wie möglich versuchen den Verkehrsfluss dort wieder herzustellen, denkt man als naiver Bürger. Und fragt sich sicher nicht zu Unrecht, ob und was da vielleicht 2018 versäumt wurde, als die Pontoiser- und Bergamastraße komplett aufgerissen und gesperrt waren.

Aber dann setzt Böblingen noch ein Highlight oben drauf: Inzwischen an das Chaos gewöhnt, fahre ich von meinen Eltern aus dem Westen (Straßburger Straße), schon über die B464 zu mir in den Osten (Nürtinger Straße), um dem täglichen Stau zu entkommen. Und was passiert nun noch? Die Breitensteiner Straße wird ebenfalls komplett gesperrt (wegen der Erstellung einer zwingend erforderlichen barrierefreien Bushaltestelle?), und die Umleitung führt mich über die Rudolf-Diesel-Straße wieder in die Stadt zurück, und letztlich über die eigentlich verkehrsberuhigte Tübinger Straße an der Kongresshalle vorbei über die Alba Brücke und dann wieder Richtung Schönaich. Hhmm, überlege ich, ob man nicht vielleicht auch gleich noch den Feinstaub messen will an dieser Stelle? Aber im Ernst: Die wesentlich einfachere Lösung wäre doch das Aufheben der Einbahnstraßenregelung in der Schönbuchstraße gewesen, denke ich, als kleines Licht.

Ich habe sicher noch einiges vergessen, und man ist ja als leidgeprüfter Böblinger Bürger und Verkehrsteilnehmer auch schon vieles gewohnt, wenn ich da nur an die, um es harmlos zu formulieren, eher wenig gelungenen drei Kreisverkehre denke, oder die Wolfgang-Brumme-Allee oder das Drama mit dem Millionengrab Kongresshalle, aber das führt zu weit und ist ein anderes Thema.

Natürlich ist nicht nur die Stadt Böblingen an dem Chaos schuld - und damit zu dem, auf was ich eigentlich hinaus will: Warum kann man sich nicht besser absprechen, zwischen Stadt. Landratsamt, Stadtwerke und Land? Und warum fängt man überall gleichzeitig an zu buddeln, ohne erstmal einige Baustellen, zumindest die "Nadelöhre", so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen?

Und wenn ich dann noch daran denke, dass der Elbenplatz zu einem Kreisverkehr werden soll (womöglich auch noch als Acht), die Stadtgrabenstraße zu einer reinen Rechtsabbieger-Straße, dann wird mir angst und bange vor dem bevorstehenden Chaos, das sicher schlimmer wird, als das angeprangerte "Anarcho-Verhalten" in der Talstraße.

Ich lasse mich gerne von Herrn Stürm und den Fachleuten belehren, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass ich mit ein paar Punkten nicht ganz so unrecht habe.

Frank Schubert, Böblingen