Das Anspruchsdenken einschränken

Leserbrief vom 01. September 2019 - 16:18

Zur Umweltpolitik

In Brasilien lassen Großgrundbesitzer in großem Stil Regenwald abbrennen. Unsere Politiker beklagen die Brandrodungen wegen der Klimakatastrophe. Die gleichen Politiker, die den Agrarhandel mit Brasilien erweitern wollen (Mercosur), die bei uns im Land alles tun, möglichst lange Braunkohle zu verheizen, die wirksamen Klimaschutz verhindern, die sogar die letzten übrig gebliebenen Hektar des einst großen alten Hambacher Forsts anbaggern und durch Entwässern verdursten lassen - obwohl genügend Grubenwasser zur Rettung vorhanden wäre - diese Politiker vergießen nun Krokodilstränen. Wir wissen: Großgrundbesitzer zerstören die Natur, bauen meist Gentechnik an, vergiften und laugen die Böden aus, brauchen wieder neues Land. Die verbrannten Flächen dort werden billige Anbaugebiete für Viehfutter, für den Export, gerade auch nach Deutschland, für unsere Massentierhaltung, für Billighackfleisch.

Wehe dem Vorschlag, mal für einen Tag in der Woche, gesundes Gemüse statt Fleisch zu essen: "Bevormundung!", "Freiheitsberaubung!" schallt es dann durch die Lande, dann ist der Urwald uns doch egal, auch egal, wenn er für Palmöl oder E10-Sprit abgeholzt wird. Die Strategie, auf Pump und Kosten anderer zu leben, ist nicht fair.

Wir Europäer, wir Deutsche voran, schwängern die Atmosphäre mit CO2. Die Brasilianer, Indonesier oder Afrikaner sollen aber in der Masse arm bleiben und unser Luxusleben kompensieren - diese Politik wird schiefgehen. Unser völlig übertriebenes Anspruchsdenken (billiges Essen, billiges Fliegen, "freie Fahrt für freie Bürger" oder individuelles Rasen mit einem zwei Tonnen Blechpanzer jederzeit und überall hin) ist untragbar, ist radikal einzuschränken, gerade aus sozialen Gründen.

Hubert Bohner, Böblingen