Schönreden nicht angebracht

Leserbrief vom 15. August 2019 - 17:24

Zum Artikel "Böblinger Bahnhofsviertel im Fokus" vom 6. August

Man kann Paul Nemeth nur zustimmen, wenn er diesen Bereich als Kriminalitäts-Brennpunkt sieht. Das ruft sofort Polizeisprecher Peter Widenhorn, Ordnungsamtsleiter Marcel Launer und den Sozialarbeiter Matthias Rau auf den Plan. Zur Rechtfertigung werden Statistiken von 2016 bis heute herangezogen. Dabei wird uns Bürgern eine positive Entwicklung hin zur gewaltfreien Zone vorgegaukelt. Angeblich sind die Straftaten in diesem Viertel um zehn Prozent zurückgegangen. Welch eine Augenwischerei. Wenn man die täglichen Vorfälle in diesem Bereich betrachtet, bekommt man ein ganz anderes Bild. Drogen, Gewalt, Schlägereien, Nötigungen, Diebstahl, Beleidigungen, Rangeleien, Hass, Fremdenfeindlichkeit und so weiter.

Wenn dieses Revier mit circa 50 000 Personen frequentiert wird pro Tag, dann ist das keine Katastrophe. Damit muss eine Stadt wie Böblingen fertig werden. Bei einem Fußballspiel in Dortmund sind 80 000 unterwegs. Doch die Polizei und das Ordnungsamt behaupten, dass das Bahnhofsareal kein Brennpunkt sei. Das Ordnungsamt will das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen. Das muss man der Bevölkerung erstmal erklären. Bemerkenswert ist, dass man die permanenten Vorfälle als Ordnungsstörungen einstuft. Unglaublich! Wenn ich falsch parke, ist das schon eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld. Im Arbeitskreis Bahnhof/Mercaden/Flugfeld kommen regelmäßig Polizei, Bundespolizei, Ordnungsdienst, Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn, Mercaden, Jugendreferat, Sozialamt, Prävention und viele andere Experten zusammen. Eine beachtliche Stammtischrunde. Den Herren Widenhorn und Launer möchte ich sagen: Bei einem Rückgang der Straftaten um zehn Prozent bleiben immer noch 90 Prozent übrig. Schönreden daher nicht angebracht.

Gerhard Mosler, Böblingen