Beeindruckende Rede unsensibel moderiert

Leserbrief vom 12. März 2019 - 13:30

Zum Fischsuppenessen vom 7. März

Zum 39. Mal lud die Amsel zum Fischsuppenessen, am Aschermittwoch ein. Das Programm war vielversprechend und die Fischsuppe wurde wieder von vielen freiwilligen Helfern vorzüglich und liebenswürdig an die Besucher verteilt. Auch die Auftritte der Künstler waren ausgezeichnet und inhaltsvoll. Roger Stein erinnerte teilweise sogar an Konstantin Wecker, Sandra Kreisler als strickende Putzfrau des Hauptklos im Kanzleramt - genial.

Als Michael Kleeberg seine Fastenrede hielt, war man gespannt. Eine Rede über das Scheitern. Man war sehr schnell gebannt von seinen Worten, weil sie wahr sind und immer schneller in Deutschland Wirklichkeit werden. Bedrückende und eindringliche Wort über ca. sieben Millionen Menschen in Deutschland, die nicht lesen und schreiben können. Wohlgemerkt keine Flüchtlinge, sondern Menschen, die als Kinder in der Schule nicht gefördert und betreut wurden und "nach hinten runtergefallen" sind und somit gescheitert sind, weil es viel zu wenige und gute Lehrer gibt, weil die Regierungen seit Jahren an der Bildung sparen und immer weniger Lehrer einstellen. Und als Erwachsene werden Analphabeten dann oft Spielbälle von Extremen, die sie für ihre kranken Ideologien missbrauchen, weil sie nicht lesen und schreiben können. Und das Schlimme daran ist, dass diese Menschen wenn sie Kinder bekommen, diesen nichts vorleben können und die Kinder dann auch keine Chancen haben. Das ist mehr als bedrückend und ein Teufelskreis.

Und diese Zahlen nehmen zu und damit sinkt das Niveau der Bevölkerung in rapider Weise. Wenn Professoren an Universitäten schon sagen, die Abiturienten könnten sich nicht mehr richtig artikulieren und würden auch die Rechtschreibung nicht mehr beherrschen, ist das schon ein Alarmsignal. Vielleicht wäre eine Möglichkeit und somit eine Lösung, um Bildung zu finanzieren, die Abgeordneten-Diäten in Landes- und Bundes- und in den aufgeblasenen EU-Parlamenten drastisch zu senken, denn diese Gehälter und somit auch die nachfolgenden total überzogenen Pensionen werden zu einem unbezahlbaren Faktor, der bald nicht mehr finanzierbar ist und dadurch wird an wichtigen Stellen, wie der Bildung für nachfolgenden Generation gespart. Das ist für ein Volk eine Katastrophe.

Der Moderator Wolfgang Selje brachte es nach dieser beeindruckenden Rede fertig, in einer unsensiblen Weise, die nachdenkenswerten Worte von Michael Kleeberg in einer Form zu missachten und zu vernichten, dass viele Besucher erzürnt und verärgert aufgestanden und gegangen sind. Und sie haben dadurch die nachfolgenden ausgezeichneten Auftritte von Roger Stein und Sandra Kreisler verpasst. Wolfgang Selje ging in keiner Weise auf die Worte von Michael Kleeberg ein und meinte, er müsse seine dümmlichen "goodsle"-Gesänge anbringen.

Ich erwarte von einem guten Moderator, dass er einen sensiblen Übergang von einem Beitrag zum anderen schafft. Dafür bekommt er Gage und nicht, dass er als Selbstdarsteller auftritt. Andernfalls hat er seine Arbeit falsch eingeschätzt. Ich würde den Verantwortlichen empfehlen, das nächste Mal einen einfühlsameren Moderator zu engagieren. Das war mehr als schade für die ausgezeichnete Rede von Michael Kleeberg. Ansonsten großes Lob für die Küche der Hochschule der Polizei, die vielen Organisatoren und die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen, der Stadtkapelle Böblingen und dies zum 39. Mal. Kompliment.

Regina Stähle, Holzgerlingen