Vorrang für Fußgänger

Leserbrief vom 12. März 2019 - 13:30

Zur urbanen Mobilität in Böblingen

Der Böblinger Gemeinderat beschloss einstimmig die Leitsätze für die Arbeit in der neuen AG Mobilität. Dabei widerspricht der zweite Leitsatz dem ersten, weil die öffentlichen Flächen bedarfsgerecht unter den Verkehrsteilnehmern aufgeteilt werden sollen.

Was heißt bedarfsgerecht? Ein Fußgänger bedarf einen halben Quadratmeter an der Ampel stehend, das Auto bedarf 20 Quadratmeter. Beim Laufen bedarf der Fußgänger zwei Quadratmeter, das Auto bei Tempo 50 über 200 wegen des notwendigen gesetzlichen Sicherheitsabstands. Damit stellt die Stadt jedem der vielen Autofahrer, die sich mit Tempo 50 bewegen, eine Fläche im Wert von 100 000 Euro ohne Gegenleistung zur Verfügung.

Der erste Leitsatz verlangt Stadt-, Klima-, Umweltverträglichkeit. Autos verletzen diese Forderungen, denn: Ein Auto, das mehr Platz als jede Böblinger Wohnung braucht, kann nicht stadtverträglich sein. Wenn es CO2 und Stickoxide erzeugt, ist es nicht klimaverträglich. Wenn es Feinstaub und Krach macht, besonders bei Tempo 50, dann ist es nicht umweltverträglich.

Die Böblinger Gemeinderätinnen und Räte sollten das Wort "bedarfsgerecht" durch das kürzere "gerecht" ersetzen. Gerecht würde dann auch heißen: Die Grünphasen für Fußgänger sind genau so lang wie beim Kfz-Verkehr. Aber selbst das wäre nicht gerecht, unter Berücksichtigung, dass Fußgänger den ersten Leitsatz mit "stadtverträglich" erfüllen, Autofahrer aber nicht. Eigentlich gehört Fußgängerinnen und Fußgängern absoluter Vorrang!

Hubert Bohner, Böblingen