Niedriges Tempolimit allein verhindert keine Unfälle

Leserbrief vom 07. März 2019 - 17:30

Zum Artikel "Tödliche Auffahrunfälle häufen sich" vom 1. März

Wer die Straßenverkehrsordnung kennt, der weiß, dass wenn ein Fahrzeug von der Beschleunigungsspur einfädeln will, die Vorfahrt derjenigen zu beachten hat, die bereits auf der Autobahn sind. Warum muss ein LKW die Spur wechseln, "nur weil da einer reinwill"? Der einfahrende PKW muss sich so orientieren und beschleunigen (darum heißt es Beschleunigungsstreifen), dass der LKW sich gar nicht bewegen muss. Dann würde der Audifahrer noch leben. So passiert das sehr oft, dass LKW rüberziehen, damit sie ja keinen Schwung verlieren, koste es was es wolle. Und ja, der Audifahrer hat gepennt. Der pennt wohl aber auch mit einer geringeren Geschwindigkeit. Und wenn ein Berufsfahrer, der auf dem LKW sitzen sollte, in den Spiegel schaut, sollte dieser erkennen, dass es gleich scheppert. Glauben Sie wirklich, dass dieser Unfall mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung verhindert worden wäre? Selbst wenn der Audi nur mit 120 Stundenkilometern aufprallt, dafür aber genau mitten hinten drauf, ist er wahrscheinlich auch tot.

Und der andere Unfall, da hat doch auch einer richtig gepennt. Der würde auch pennen, wenn er langsamer fahren müsste, wahrscheinlich würde er noch eher dann unaufmerksam sein, da bei geringeren Geschwindigkeiten die Leute noch lahmer durch die Gegen fahren. Vermutlich war er auch noch am Smartphone zu Gange, denn das ist der Klassiker und als Vielfahrer kann ich Ihnen sagen, das ist das Hauptproblem und das trifft jede Altersgruppe durch die Bank. Diese Strafen sind viel zu gering. Hier gehört eine Reform her. Gaffer und Telefonierer: 1000 Euro und vier Punkte. Dann sind die Beamten bezahlt, die kontrollieren, und dann hört das Thema auf. Dazu höhere Strafen für zu schnelles Fahren, denn genau die, die nach den Begrenzungen schreien, sind die, die ja oft wirklich nicht so schnell fahren, doch die fahren immer gleich schnell, egal welches Schild hängt. Und wenn in der Baustelle Tempo 60 steht, dann ist 80 oder 90 zu schnell. Fahre ich nachts im Engelbergtunnel 60 Stundenkilometer, wenn da Tempo 60 steht, bin ich ein Verkehrshindernis. Nach dem Tunnel, da pennen die Leute mit 80 oder 90 weiter, auch wenn da 100 oder 120 Stundenkilometer erlaubt sind. Das war jetzt aus der Praxis.

Schade, dass der Audifahrer ums Leben kam. Aber nicht er war schuld, sondern der Lastwagen, der die Spur gewechselt hat, obwohl das keine Straßenverkehrsordnung von ihm verlangt hat.

Jürgen Brandstetter, Böblingen