Rettung lohnt sich für Schlepper

Leserbrief vom 07. März 2019 - 17:30

Zum Einsatz des Deutschen Rettungs-Flüchtlingsschiffs Sea Watch im Mittelmeer

In einer Reportage, gesendet über 3Sat, wurde der Einsatz des deutschen Rettungsschiffs im Mittelmeer dokumentiert. Noch nie wurde in den Fernsehmedien ein solcher Rettungseinsatz bildlich festgehalten. Wohl aus Diskretionsgründen. Hier die Reportage. Der Kommandeur und die zirka zehn Besatzungsmitglieder, des Weiteren war auch noch eine Ärztin an Bord, operierten im Einsatzort an der Libyschen Küsten in Erwartung einer "Rettung" von afrikanischen Bootsflüchtlingen. Das Fernsehteam - wohl privat - filmte den Einsatz in voller Länge. Das Fernrohr des deutschen Kapitäns erfasste in der Ferne drei Schlauchboote, vollgeladen mit Afrikanern. Jetzt kam es zum Einsatz. Die Sea Watch hatte ein Beiboot abgelassen, die am Bord befindliche Besatzung hatte zwei riesige Pakete in das Beiboot herabgelassen, vollgefüllt mit roten Rettungswesten. Das Beiboot erreichte die drei Flüchtlingsboote und verteilte die Rettungswesten. Den Umgang mit Rettungswesten haben die Afrikaner wohl im Libyschen Festland eingeimpft bekommen. Es funktionierte reibungslos. Das deutsche Rettungsboot nahm nunmehr die drei Flüchtlingsboote ins Schlepptau und steuerte diese an die Sea Watch. Die deutsche Besatzung jubelte, als die Afrikaner das Schiff erreichten, diese haben ihre Daumen in den Himmel gestreckt, wohl in Gedanken, Allah sein Dank. In den nunmehr leeren Schlauchbooten sah man Unmengen von Müll und wohl ein Dutzend von leeren Benzinkanistern. Die deutsche Ärztin hatte in ihr Behandlungszimmer einen Afrikaner beordert, der wohl an Kälte litt. Das Fernsehteam hatte sich wohl aus dem überfüllten Schiff verabschiedet. Damit war auch die Sendung beendet. Nicht jedoch das folgende Drama.

Das Schiff trieb zehn Tage lang im Mittelmeer in der Hoffnung, ein Land anzusteuern und Landeerlaubnis zu erhalten. Die Mittelmeerländer lehnten dies kategorisch ab. Im Fernsehen kam ein Bericht über das Boot mit dem Hinweis, die vielen Flüchtlinge hätten nichts mehr zu essen. Diese Vorgabe war jedoch erlogen. Die Afrikaner verweigerten die Nahrungsaufnahme als Erpressung einer Küstenlandung. Wie es dem Kapitän und der Besatzung zumute war in der Menschenmenge an Bord, kann man sich vorstellen. Am Abend des 1. Februar hatte das Fernsehen berichtet, dass die Sea Watch die Genehmigung erhielt, den Hafen von Catania anzusteuern. Der Grund? Die Europäischen Regierungschefs haben sich geeinigt, die Afrikaner aufzunehmen und zu verteilen. Das Fernehen berichtete über die "Rettung der Afrikaner", nicht jedoch über die Anzahl. In der Zeitung bekam ich zu lesen, wonach "im Mittelmeer 47 Flüchtlinge gerettet wurden". Da hat man wohl eine Null vergessen. Die italienische Küstenwache hatte das Schiff, wie die vorausgegangenen Rettungsschiffe, beschlagnahmt und die Besatzung eingesperrt.

Wenn bei der Überfahrt jeder Afrikaner ein Schleppergeld von 2000 Dollar aufbringen muss, so hat sich der Rettungseinsatz finanziell sehr gelohnt. Wenn schon kein Mittelmeer-Anrainerstaat kein einziges Bat an die Libysche Küste auf den Weg bringt, so sind es die Gutmenschen aus Deutschland als Ausnahme. Oder stecken da nicht sehr viele Dollars im Hintergrund?

Sigurd Scholz, Böblingen