Vom Schulschwänzen und "Steltergate"

Leserbrief vom 06. März 2019 - 15:18

Zur Berichterstattung über streikende Schüler und Fasching im Fernsehen

Schulschwänzen wegen Demo ist nicht neu. Wir schwänzten bereits 1970 die Schule und fuhren zur Demo nach Stuttgart gegen Numerus Clausus. Gebracht hat es nichts. Es gab einen Rüffel vom Schuldirektor.

So lobenswert das Engagement der Jugend für den Umweltschutz ist, bringen wird es nicht viel. Außer Diffamierung der Älteren. Ehrlich ist es auch nicht. In den Ferien fliegt man als Teenager zu exotischen Zielen und regelmäßig tauscht man seine Unterhaltungselektronik gegen umweltintensive neue aus. Gekauft wird über das Internet und die Ware hin- und bei häufigem Umtausch hertransportiert. Ernährung findet durch umweltbelastende Fertignahrung statt. Das hat etwas von Doppelmoral. Die sich im Fernsehen im Karneval gerade deutlich zeigt.

Da stört eine Dame den Humoristen Stelter auf der Bühne, weil ihr seine Witze über Doppelnamen nicht passen. Anstatt die Dame einfach vor die Türe zu setzen, wird sie vom konkurrierenden Düsseldorfer Karnevalsverein auch noch eingeladen und die Presse spricht von "Steltergate".

Hinsichtlich Erdogan oder anderen "sensiblen Themen" ist man kleinlaut. Wenn aber der US- sowie der russische Präsident und die AfD auf der Bühne mit Häme und teils zotigem Spott überhäuft werden, steht der Saal auf und klatscht und jubelt. Die Medien und der Fernsehrat toben, wenn im Frankenfasching die Altneihauser Feuerwehrkappelle die Gattin des französischen Präsidenten als "schönste alte Hütte von Paris" (in Bayern eigentlich ein Kompliment) besingen. Humoristen in der ZDF-Sendung "Anstalt" fanden sich vor Gericht wieder, nachdem sie in der Sendung sarkastisch Seilschaften von Wirtschaft und Politik plakativ dargestellt hatten. Die Klagen scheiterten.

Unsere Gesellschaft könnte scheitern oder Schaden nehmen, wenn Teile davon den Eindruck von Doppelmoral bekämen und sich von der Politik abwenden würden.

Jörg Lanksweirt, Böblingen