Die Elektrifizierung ist keine Erfolgsgeschichte

Leserbrief vom 03. März 2019 - 19:48

Zur Schönbuchbahn

Ja, es war ein langer und intensiver Kampf um die Schönbuchbahn, den ich Anfang der 80er Jahre erst allein begonnen habe und aus dem dann die "Bürgerinitiative Runder Tisch" hervorgegangen ist.

Und es war am Anfang auch sehr frustrierend, welchen Widerstand wir bei diesem Kampf sowohl von den Gemeinden als auch von der Bundesbahn dabei erfahren mussten. Noch 1988 hatte die Bahn den Stilllegungsantrag beim Bundesfinanzministerium eingereicht.

Hätten wir damals nicht auch Landrat Heeb und den Bürgermeister Dörr von Dettenhausen auf unserer Seite gehabt, hätten wir heute bestenfalls einen Radweg dort. Und Gedanken über eine Elektrifizierung der Strecke könnten wir uns heute sparen.

Als dann die Würfel doch in die richtige Richtung gefallen waren, hat es nicht einmal ein Jahr gebraucht, bis die Firma Leonhard Weiss die total verwahrloste Strecke wieder zum Leben erweckt hat. Im September 1996 war bereits Einweihung.

Über die ganzen Reaktivierungsarbeiten habe ich ja einen Film gedreht, der auch beim Landratsamt liegt. Der SWR konnte dann im Rahmen der Sendungen "Eisenbahnromantik" einen Film "Die Erfolgsgeschichte der Schönbuchbahn" bringen, in welchem auch Szenen aus meinem Film enthalten sind.

Was sich jetzt aber bei der Elektrifizierung abspielt, betrachte ich als eine Schande. Schließlich waren damals auch umfangreiche Investitionen notwendig, um den Zug wieder aufs Gleis zu stellen: neue Haltepunkte, Brücke in Weil im Schönbuch, Halle in Dettenhausen,, neues Gleisbett und neue Schienen, um nur einiges zu nennen.

Wenn ich jetzt mit meinem E-Bike entlang der Bahnstrecke fahre, sehe ich, dass die Firma Leonhard Weiss wieder ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Die Strecke ist fix und fertig. Und doch soll der Betrieb, der für letzten Dezember geplant war, mit ungewissem Ausgang erst im Spätsommer dieses Jahres wieder bis Böblingen aufgenommen werden. Das versteht doch niemand.

Sicher gab es da Gründe für eine Verzögerung. Aber vieles davon war doch vorauszusehen. Wie kann es sein, dass Träger für die Elektrifizierung geliefert wurden, die falsch sind? Wie kann es sein, dass man Bomben auf dem Platz, auf dem eine weitere Halle erbaut werden soll, findet oder vermutet? Wie kann es sein, dass man nicht weiß, wie man den Strom für die Leitungen her bekommt oder dass es Probleme mir dem Stellwerk in Böblingen gibt?

Wie kann es sein, dass man die neuen Elektrotriebwagen in Spanien bestellt und diese erst im Jahre 2021 fertig werden sollen. Hat man da mal wieder am falschen Platz gespart? Muss man später dann jede Schraube, die mal fehlt, in Spanien bestellen und dann zwei Jahre darauf warten? Das ist doch ein Riesendilemma; als wenn wir die Fahrzeuge auch nicht im Inland fertigen lassen könnten.

Was ist hier in der Planung schon alles schief gelaufen? Wer trägt die erheblichen Mehrkosten, die hierdurch entstanden sind: Die durch den Schienenersatzverkehr, der bis zur ungewissen Inbetriebnahme der Bahn angefallen sind und noch anfallen werden? Wer trägt die Kosten für die falsch bestellten oder falsch gelieferten Träger für die Elektrifizierung? Wer trägt die Kosten eines Rechtsstreites über die ganzen Zusatzkosten?

Die Elektrifizierung hat sich im Gegensatz zur ersten Aktivierung gottlob nicht zu einer "Erfolgsgeschichte" entwickelt.

Karl Heinz Faust, Holzgerlingen