Bargeldlos Bezahlen mit Turbo-App ohne Kundennutzen

Leserbrief vom 27. Februar 2019 - 17:06

Zum Artikel "Bargeld besser als sein Ruf" vom 13. Februar

Darin legt die Bundesbank dar, dass der bargeldlose Zahlvorgang an den Ladenkassen zwischen 15 und 30 Sekunden dauert, mit Bargeld 22 Sekunden. Die Bundesbank regt den Leser dazu an, sich den Zeitirrsinn selber vor Augen zu führen. Als nächster Schritt wird den großen Händlern einfallen, personallose Kassen für sportliche Quickie-Zahler einzurichten, wo es dann lächerlich geringe Payback-Punkte gibt, weil sie im tausendstel Prozentbereich liegen.

Die Normalo-Kassen werden gleichzeitig reduziert. Möglicher Werbespruch: Bei uns ist bezahlen so gesund wie Sport. Mal sehen, wann Bezahlolympia-Kassen mit Paralympics-Kassen beworben werden. Paralympische Sonderkassen sind dann für Geschwindigkeitsbehinderte wie auch für ältere Mitmenschen.

Der große Aufklärer Immanuel Kant hätte dazu gesagt: Wenn die Allgemeinheit Irrtümer für richtig hält, dann wird das Normalität genannt. Schon jetzt sind viele Nutzer personalloser Kassen so unbedacht, dass sie nicht merken, dass sie die dadurch arbeitslos gewordenen Menschen mitfinanzieren müssen.

Bei dieser Gelegenheit eine Richtigstellung zum Begriff Personalkosten. So lange Unternehmer an den Beschäftigten verdienen, können Personalausgaben keine reinen Kosten sein. Denn Kosten sind Geldabflüsse für die man nur den Gegenwert, beispielsweise in Form von Gütern, erhält. Überall da, wo am Personal verdient wird, sind es durchweg gewinnbringende Ausgaben. Unterlässt man diese Ausgaben, dann verringert sich der Gewinn schlagartig auf die selbst geleistete Arbeit, wie jeder Einzelselbstständige weiß.

Wer gewohnheitsmäßig über die zu hohen Personalkosten im öffentlichen Dienst jammert, der übersieht, dass er dafür eine reale Gegenleistung erhält. Und er übersieht die unbezahlten Überstunden im Millionen-Stundenbereich. Ich nenne das Dauerspende ohne steuerliche Absetzmöglichkeit.

Matthias Reinke, Böblingen