Mehr und kostenfreie Kita-Plätze schaffen

Leserbrief vom 26. Februar 2019 - 11:24

Zum Artikel "Eisenmann rügt Giffeys Kita-Kritik" vom 19. Februar

Bundesministerin Giffeys Kritik an den Öffnungszeiten und Gebühren der Kitas halte ich für sehr angemessen. Unsere baden-württembergische Kultusministerin Eisenmann führt eine Statistik der Kinder- und Jugendhilfe an, die offensichtlich die bereits untergebrachten Kinder erfasst. Keine Rede ist von den Eltern, die keinen Betreuungsplatz finden. Dabei ist egal, ob eine Familie in Schönaich, Böblingen oder Stuttgart wohnt. Selbst wenn man direkt nach der Geburt das Kind für einen Kita-Platz nach dem 1. Geburtstag anmeldet, ist es nahezu unmöglich, diesen Betreuungsplatz zu bekommen. Es ging mir vor über zehn Jahren bei meinen eigenen Kindern so und ich erlebe es jetzt bei Freunden und Kollegen.

Solange nicht zuverlässig dafür gesorgt werden kann, dass man Kleinkinder in einer Kita unterbringt, wirft man Familien Knüppel zwischen die Beine, wenn es um den Wiedereinstieg in den Beruf geht. Das können wir uns in Zeiten des Fachkräftemangels wirklich nicht leisten. Dass die Höhe der von den Eltern getragenen Gebühren unmittelbar Einfluss auf die Qualität der Kitas hat, ist irreführend. Nur zirka 10 bis 15 Prozent der Kosten werden durch die Elternbeiträge gedeckt. Fällt dieser Teil durch die gebührenfreie Kita weg, können hierfür Dank des Gute-Kita-Gesetzes vom Bund Gelder abgerufen werden. Die Kommunen bleiben also unbelastet.

Es ist unerlässlich, die Kita-Plätze auszubauen, wenn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter vorangebracht werden soll. Und es ist dringend notwendig, Kinderbetreuung vom ersten Betreuungstag bis zum Bildungsabschluss gebührenfrei zu machen, wenn wir Chancengleichheit für alle Kinder schaffen wollen.

Lucienne Graupe, Böblingen