Flugfeld-Klinik: Der Bau ist noch nicht beschlossen

Leserbrief vom 20. Februar 2019 - 18:00

Zur geplanten Großklinik auf dem Flugfeld

In ihrem Artikel wird dargestellt, dass es sich bei der in Planung befindlichen Klinik auf dem Flugfeld um ein komplexes Projekt handelt, das dementsprechend sorgfältig geplant werden muss. Dem ist natürlich grundsätzlich zuzustimmen. Aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen für ein solches Projekt stimmig sind. Das sind sie aber in entscheidenden Punkten nicht: Allein die Themen Luftverschmutzung und Lärmbelästigung führen dazu, dass dieses Krankenhaus ohne Fenster, die sich öffnen lassen können, gebaut werden muss. Die Strahlentherapie bleibt beim Böblinger Krankenhaus am jetzigen Standort. Bei entsprechender Therapie muss der Patient also nach Böblingen gebracht und wieder geholt werden. Die vorhandenen Wohnheime in Böblingen und Sindelfingen werden abgerissen. Damit wird dringend benötigter Wohnraum für Pflegekräfte vernichtet. Wo sollen die zirka 1000 benötigten Pflegekräfte wohnen, wenn die Flugfeldklinik wirklich gebaut wird? Stimmen aus der Bürgerschaft signalisieren, dass die Pflegekräfte in fußläufiger Entfernung wohnen sollten, um möglichst stressfrei und fit an ihren anspruchsvollen Arbeitsplatz zu kommen. In fußläufiger Nähe des Flugfeldes gibt es keinen für Pflegekräfte bezahlbaren Wohnraum. Die bestehenden Wohnräume an unseren Krankenhäusern werden deshalb nicht angenommen, weil sie seit Jahren nicht mehr Instand gehalten werden.

Mit dem Ausbau der A81 zwischen unseren Städten wird der Verkehr noch erheblich zunehmen. Dazu kommt der entstehende Lärm des Krankenhausbetriebes: Krankentransporte mit Notarztversorgung, Hubschrauberflüge und Krankenbesuche. So wird das Verkehrschaos perfekt. In Zukunft wird es einen Kampf um die Pflegekräfte geben. Eine Klinik auf dem Flugfeld hat bei diesen Rahmenbedingungen schlechte Karten. Es gibt bessere Lösungen. So bietet beispielsweise das Marienhospital in Stuttgart Personalwohnungen an, die fünf Gehminuten vom Arbeitsplatz entfernt sind. Das entspricht dem heutigen Zustand bei unseren bestens funktionierenden Kliniken in Böblingen und Sindelfingen. Sollten wir da nicht nochmals nachdenklich werden?

Wir fordern daher die Einbindung der Bürgerschaft in Form einer Bürgerbefragung vor den anstehenden Wahlen am 26. Mai dieses Jahres. Die Entscheidung über den Bau dieser Klinik sollte erst danach von den dann verantwortlichen Volksvertretern getroffen werden.

Peter Brozio, Maichingen