Die Politik muss nun reagieren

Lesermeinung

Leserbrief vom 19. Februar 2019 - 16:30

Zum Artikel "Notfallplan für Herrenberger Kindertageseinrichtungen" vom 14. Februar.

Da haben wir die Bescherung! Der seit geraumer Zeit absehbare Notstand ist eingetreten. Wer sich mit dem Thema beschäftigt hat und die Situation in seit Jahren notleidenden Einrichtungen (beispielsweise die Torstraße in Gültstein) mitbekommen hat, wundert sich nicht wirklich. Was verwundert indes ist die Art, wie das bisher eher defensiv agierende Amt für Familie, Bildung und Soziales nun offensiv mit dem Thema an die Öffentlichkeit geht. Lamentieren hilft nicht weiter, genauso wenig wie die immer auftauchenden gut gemeinten Ratschläge, es den Unternehmen in der Wirtschaft gleichzutun und Headhunter für die Suche nach Erzieherinnen einzuschalten.

Damit würde nur ein ständiger Kreislauf an Abwerbungen einsetzen, der am Ende die Probleme von einem Ort auf den nächsten verlagert, aber nichts löst. Das kann nicht die Lösung sein. Es bleibt die Frage, von wo das erforderliche Personal herkommen könnte. Was helfen könnte, ist die gut gemeinte Aufforderung, nach Aushilfskräften zu suchen. Hier müssen alle Register gezogen werden, auch mit Marketingmaßnahmen. Warum nicht jede Woche eine großformatige Anzeige im Amtsblatt veröffentlichen?

Wir reden von von einem Dauerthema, das nicht aus dem Fokus rücken darf. Was noch bleibt, ist die Erkenntnis, dass hier weniger die Stadtverwaltung als letztes Glied in der Kette versagt, sondern vielmehr die übergeordnete Politik. Angefangen beim Ruf der Wirtschaft nach den gut ausgebildeten weiblichen Arbeitskräften, der im gesetzlichen Anspruch auf einem Krippenplatz mündete, aber einfach zu viele Fragen offen ließ. Ganz zu schweigen von der Finanzierung des Kindergartenbetriebs. Der 2018 vom Gemeinderat beschlossene Kniff, über die Verlängerung der Öffnungszeiten Landeszuschüsse einzuholen, hat die Personalmisere deutlich angefeuert. Unter vorgehaltener Hand hören wir immer wieder, dass diese Entscheidung heute so nicht mehr unbedingt forciert werden würde.

Zu guter Letzt sollte die Politik auf das Ausbildungsmodell für die Erzieherinnen blicken. Denn dort gibt es immer mehr freie Plätze und immer weniger Bewerber. Warum das so ist? Welcher junge Mensch macht denn heute noch eine dreijährige Ausbildung (plus Praktikum) ohne dafür eine Entlohnung zu bekommen, während auf der anderen Seite das PIA-Modell gut entlohnt und somit auch nachgefragt wird. Hier sollte schnellstens eine Anpassung erfolgen, zum Beispiel durch die Einführung von Praxissemestern, die das Praktikum ersetzen und mit einer Vergütung während der ganzen Ausbildungszeit. Das hätte den Vorteil, dass die Arbeitgeber nicht drei oder vier Jahre warten müssten, bis sie diese Kräfte im Betrieb einsetzen könnten.

Es wird Zeit, dass hier die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt werden. Dazu gehört, dass die Öffentlichkeit wie auch jetzt geschehen, informiert wird.

Sandra Bast, Tamara Gross, Pierre Nolte und Wolfgang Prokopp (für den Gesamtelternbeirat Herrenberger Kindergärten)