Dass wir nicht in die Röhre schauen

Leserbrief vom 14. Februar 2019 - 16:06

Zur Diskussion um die Ostseepipeline Nordstream 2

In den 1960er-Jahren erließ Deutschland, bedingt durch Druck von der Nato, ein Röhrenembargo gegen Russland, welches die Handelsbeziehungen auf Jahre hinaus nachhaltig schädigte. Ähnliches droht mit den Bestrebungen, die Nordstream-2- Pipeline zu unterbinden.

Hauptgründe: Die Erdgaslieferungen aus Russland würden auf 50 Prozent steigen. Diese waren zu Sowjet-Zeiten teils höher. Die Ukraine könne wegen Nordstream 2 bis zu zwei Millionen Euro Durchleitungsgebühren jährlich "verlieren". Wer trägt die denn, wenn nicht die Endkunden?

Außerdem ist das Gasleitungssystem dort so marode, dass zukünftig mit Lieferunterbrechungen gerechnet werden muss. Kreise in den USA, prominent vertreten durch Präsident Donald Trump und seinen hochkommissarartig auftretenden Botschafter, haben Interesse, ihre Flüssiggasüberschüsse bei uns zu verkaufen.

Abgesehen vom hohen Preis, handelt es sich um "schmutziges" Fracking-Gas. Der Aufschrei der Umweltschützer bleibt aus. Terminals zur Anlieferung von Flüssiggas werden gebaut, so dass jederzeit auf Lieferanten, auch aus dem Nahen Osten zurückgegriffen werden könnte, sollte es überhaupt mit Rußland zu Konflikten kommen.

An den gegenwärtigen Streitereien tragen beide Seiten Schuld und wir sollten uns aus den Händeleien der teils nationalistischen Osteuropäer heraus halten. Die Gasquellen in der Nordsee versiegen. Rußland liefert massiv Gas nach China und verstärkt in östliche Länder. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht irgendwann in die (leere) Röhre schauen.

Jörg Lanksweirt, Böblingen