Ist das noch Journalismus?

Leserbrief vom 13. Februar 2019 - 17:06

Zum Leitartikel von Wolfgang Molitor vom 4. Februar

Es ist nicht neu, dass Herr Molitor als stellvertretender Chefredakteur der "Stuttgarter Nachrichten" und somit auch des überregionalen Teils der Kreiszeitung sich in seinen Leitartikeln vor allem gegenüber der SPD als "Kaiser Sapiens" aufführt. Pressefreiheit ist ein hohes Gut der Demokratie, aber Partei zu ergreifen für dieses oder jenes und Noten als "Superlehrer" zu vergeben mit nahezu persönlichen Angriffen, grenzt schon fast an Funktionsmissbrauch.

So wie Herr Molitor danach fragt, wer hinter den Äußerungen von Altkanzler Schröder steckt, so kann man fragen wer und was steckt hinter seinen Absichten, vorwiegend die SPD oder SPD-Leute aufs Korn zu nehmen. Die Pressefreiheit gilt ohne Einschränkungen, wenn es um Unredlichkeit, Straftaten, Unmoralität, Grundwertverletzungen usw. geht. Eine Pressefreiheit, die Personen in herabsetzender Weise an den Pranger stellt, weil sie eine Meinung äußern, für etwas oder für jemand offen eintreten, fördert nicht etwa, sondern schränkt die Demokratie ein. Es ist offensichtlich, dass immer mehr Menschen in Deutschland und in der Welt, sich mit ihrer Meinung zurückhalten, weil sie Angst haben, etwas falsches zu sagen und dafür aufs Korn genommen zu werden.

Es ist offensichtlich, dass Menschen zunehmend das wiederholen, was Medien und sonstige einflussreiche Personen vorgeben. Und gefährlich wird es für die Demokratie immer dann, wenn die Menschen "enttäuscht beschließen", sie sind reingelegt worden. Alle fragen sich warum Parteien, so auch die SPD und viele andere Institutionen, Krisenrisse bekommen. Dafür wird für Studien viel Geld ausgegeben und die besten Meinungsforscher und Wissenschaftler bemüht. Den Grund müsste man eigentlich kennen. Alles oder fast alles wird von oben nach unten in den Diktaturen, aber - auf eine andere Weise - auch in den Demokratien beschönigt, verteufelt oder passend gemacht, bis bei den Menschen das Gefühl der Ohnmacht und des Betrugs aufkommt.

Demnach müsste man froh sein, wie auch in der Krise der SPD, dass Altkanzler, Mitglieder, Wähler und Sympathisanten, sich mit ihrer Kritik, Lob und Meinungen an der Diskussion beteiligen. Alle müssten die Verpflichtung spüren, sich in einer Diskussion zur Rettung der SPD, allein aus Liebe zur Demokratie, einzubringen. Die Presse würde mit ihrer Zurückhaltung der Sache einen Dienst erweisen. Es wäre gut, auch die Molitors würden begreifen, dass demokratische Parteien zunehmend rar werden und das gegeneinanderhetzen, nur um die Keule der Besserwisserei zu schwenken, nicht gerade für guten Journalismus spricht.

Bernardino Di Croce, Sindelfingen