Kaum eine Auswahl gehabt

Leserbrief vom 12. Februar 2019 - 16:30

Zum Artikel "Erneut soll eine Frau Dagersheim anführen" vom 6. Februar

Mit großem Interesse habe ich und die anderen zirka 100 Zuhörer die Veranstaltung am 5. Februar in Dagersheim zur Wahl der neuen Ortsvorsteherin verfolgt. Mit Erstaunen habe auch ich darauf reagiert, dass an selbigem Abend nur noch eine Kandidatin in der Runde vorstellig wurde, von einer echten (Aus-)Wahl war also gar keine Rede mehr. Daraufhin haben einige Bürger den Saal auch postwendend verlassen. Das sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden. Ich habe mich daraufhin gefragt: Was ist mit den anderen Bewerbern um diese Stelle passiert? Warum konnte hier kein weiterer Bewerber mehr aktiviert werden? Wollte das die Stadtverwaltung Böblingen, die die Kandidatenauswahl maßgeblich beeinflusst, nicht? War wirklich kein einziger anderer Bewerber da, den man der Bevölkerung hätte vorstellen können?

Ich habe während der Veranstaltung vielfach Meinungen aus der Dagersheimer Bevölkerung aufgenommen. Sehr deutlich war zu hören, dass sich viele Bürger eine Person mit mehr Lebenserfahrung als zukünftige Ortsvorsteherin wünschen. Das kann eine Person mit 25 Lebensjahren bei allen anderen, sicherlich sehr guten Qualifikationen, nicht erfüllen. Ich selbst wohne mit meiner Familie seit Generationen in Dagersheim und möchte meinen Ort nicht laufend als Versuchslabor verstehen, sondern mit einer Person ausgestattet wissen, die die Belange des Ortes auch gegenüber der Stadtverwaltung Böblingen entsprechend deutlich vertreten kann. Dafür sind die Themen und Situationen hier im Ort einfach zu wichtig und zu mächtig.

Da kommt in mir der Gedanke auf, dass die Stadtverwaltung Böblingen bei der Personalauswahl ebendies genau nicht getan hat: Eine Persönlichkeit für Dagersheim zuzulassen, die auch einmal deutliche Worte für die Dagersheimer Belange in den Mund nimmt. Bitte verstehen Sie mich hier nicht falsch: Aber diese Eigenschaft kann ich mir nach dem gezeigten Auftritt von Frau Hütter beileibe nicht vorstellen. Ich hätte mir daher von unserem Ortschaftsrat gewünscht, dass die Stelle nochmals erneut ausgeschrieben wird. Zur Not auch an diesem Abend erzwungen, wo ist denn da das Problem? Ich sehe hier keines. So wird das in Wirtschaftsunternehmen regelmäßig praktiziert. Diese klare Kante hätte ich hier gerne gesehen. Das erwarten die Bürgerinnen und Bürger und ich habe an selbigem Abend mit vielen Anwesenden gesprochen. Hier war wenig Begeisterung zu spüren.

Bitte erlauben Sie mir an dieser Stelle eine abschließende Frage: Hätte das Ortsparlament auch so entschieden wenn es hier um eine Bürgermeisterstelle in einem Ort mit über 6000 Einwohnern gegangen wäre? Einfach aus der Not heraus die Stelle besetzen oder besser nochmals alles auf Null stellen und den Prozess von vorne beginnen?

Diese Antwort muss jeder mit sich selbst ausmachen, der daran beteiligt war oder noch ist. Ich wünsche Frau Hütter auf diesem Wege alles Gute, vor allem starke Nerven sowie den notwendigen Biss, um für Dagersheim entsprechende Akzente setzen zu können. Viel Erfolg.

Frank Dietzel, Dagersheim