Kohleausstieg: Heizöl statt Kohle

Leserbrief vom 07. Februar 2019 - 16:30

Zum Thema Kohleausstieg

Weil der Ausbau der Erneuerbaren Energie im grünen Ländle weitergehen muss, die hervorragend laufenden und CO2-neutralen Kernkraftwerke 2022 abgeschaltet sein sollen, gleichzeitig aber Versorgungssicherheit hergestellt werden muss, müssen zur Netzstabilisierung vier neue Kraftwerke südlich der Mainlinie gebaut werden. Deshalb wird in Kürze in Marbach am Neckar ein neues - kein Witz, kein Aprilscherz - Öl-/Gaskraftwerk direkt am Neckar gebaut, das mit leichtem Heizöl betrieben wird. Ich dachte, wir wollen aus den fossilen Energien aussteigen? Kattowitz lässt grüßen! Auf dem EnBW-Kraftwerksgelände stehen sieben Riesenöltanks, die als Heizöllager Verwendung finden. Das Kraftwerk (Turbine 300 Megawatt) wird mit leichtem Heizöl oder wahlweise mit Gas befeuert. Der Gemeinderat Marbach hat vor Weihnachten die Planungen durchgewunken. Im Gemeinderat gab es bei einigen Gemeinderäten "Bauchgrimmen" beziehungsweise "Nase rümpfen". Noch toller treiben es die Bayern: In Irsching stehen zwei Gaskraftwerke der jüngsten Generation ungenutzt herum. Die deutsche Bundesnetzagentur verlangt, dass die beiden Blöcke als "Kaltreserve" gehalten werden. Nun baut der Betreiber ausgerechnet am selben Standort noch ein drittes Gaskraftwerk. Verstehen kann man das nur vor dem Hintergrund der fehlgeleiteten deutschen Energiewende.

Dass die Energiegewinnung aus Sonne und Wind nicht grundlastfähig ist, hat sich immer noch nicht herumgesprochen. Auf die Frage, wer künftig die Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom ausregeln soll, antwortet Frau Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk, dass dies Wasserkraft und Biomasse tun würden. Wie man mit zehn Gigawatt Biomassestrom und Wasserkraft etwa 105 Gigawatt schwankenden Sonnen- und Windstrom ausregeln will, bleibt ihr Geheimnis.

Hansjörg Jung, Herrenberg