"Dem Himmel nah" - eine Lösung für Holzgerlingen?

Leserbrief vom 31. Januar 2019 - 18:12

Zur Debatte um das Osterkreuz in Holzgerlingen

Im Frühjahr 2018 erlebte Holzgerlingen einen Höhepunkt der Ökumene - der Osterweg. Eine Initiative der christlichen Gemeinden Holzgerlingens gestaltete einen inspirierenden und beachteten Themenweg zur Passion Christi. Doch was ist von der Euphorie übriggeblieben? Ein Kreuz auf öffentlichem Grund am Rande Holzgerlingens, um das schon früh der Streit entbrannte, ob es entgegen ursprünglicher Absprachen für immer erhalten bleiben sollte. Es kam, wie es kommen musste, die Entscheidung über den Verbleib des Kreuzes wurde vertagt in der Hoffnung, Wogen würden sich glätten, neue Ideen würden entstehen. Doch Aussitzen brachte auch hier keine Lösung. Ideen entstanden nicht, Wogen glätten sich selten selbst, Fronten bilden sich und verhärten sich: Das Kreuz wird immer mehr zum Symbol der Abgrenzung, völlig konträr zu der Stimmung, die ich Ostern 2018 auf dem Osterweg empfunden habe. Dieser Ort, an dem das Kreuz steht, hat mehr verdient. Es ist ein schöner Ort. Für viele ist es sicher auch ein Kraftort, um Ruhe zu finden und für einige ist es bestimmt auch ein Ort, an dem sie sich "dem Himmel nah" fühlen. Und genau das, "Dem Himmel nah", ist der Name eines interreligiösen Projektes auf dem Böblinger Flugfeld. Ein Projekt, das Raum schafft zur offenen Begegnung und zum vertrauensvollen Dialog aller Glaubensrichtungen, ein Projekt, das vielleicht zeigt, wie man es richtig machen kann. Es würde Holzgerlingen gut zu Gesicht stehen und das ist mein Appell, wenn sich eine vergleichbare, auf Holzgerlingen skalierte Initiative als Fortsetzung des begonnen Weges (wieder-)finden würde, um diesen schönen Ort wieder zukunftsweisend auch ohne Kreuz positiv im Sinne des interreligiösen Kennenlernens zu nutzen und ihn nicht als Manifest à la "Hier herrscht das Christentum" zu missbrauchen.

Jochen Schmidt, Holzgerlingen