Hetzartikel gegen Flüchtling

Leserbrief vom 09. Januar 2019 - 16:36

Zum Artikel "Abgeschoben und wieder da" vom 31. Dezember

An Silvester wurde in ihrer Zeitung von der Rückkehr des nach Italien abgeschobenen Kameruaner Alassa M. berichtet. Dort wird Alassa M. zwar als "Rädelsführer" des solidarischen Protestes von Flüchtlingen in der LEA Ellwangen gegen die beabsichtigte Abschiebung eines Togolesen bezeichnet, es wird aber auch über den brutalen rechtswidrigen Polizeiüberfall von über 500 Polizisten vier Tage später mit mehreren verletzten Flüchtlingen berichtet. Dies unterscheidet sich wohltuend von dem Artikel, den die "BILD"-Zeitung vor einigen Tagen auf den ersten zwei Seiten unter der Überschrift "Der unfassbare Fall des Alassa M." veröffentlicht hat, in dem der demokratische Flüchtlingsaktivist Alassa als möglichst schnell zu inhaftierender Krimineller hingestellt wird. Alassa hat nur sein demokratisches Recht, nach sechs Monaten Verbot wieder in Deutschland einreisen zu dürfen und einen Asylfolgeantrag zu stellen, wahrgenommen. Für die "BILD" wird das Rechtsanwaltsbüro, das dem Kameruner hilft, seine demokratische Rechte wahrzunehmen, der "Geschäftemacherei" bezichtigt und die über 20 000 Menschen, die für das Recht auf Asyl für Alassa und andere verfolgte Flüchtlinge unterschrieben haben als "Linksaktivisten" betitelt.

Der "Freundeskreis für Alassa", der die Petition initiiert hat, verfolgt eine breite überparteiliche Zusammenarbeit mit dem Anliegen: Verteidigung der demokratischen Rechte. In dem Artikel werden die Persönlichkeitsrechte von Alassa verletzt, indem ein Bild von ihm und seiner neuen Unterkunft mit dem Zusatz: "Sofort hinter Gitter" erscheint. Müssen erst wieder Flüchtlingsheime brennen, bis man begreift, welche Folgen das haben kann? Der Hetzartikel in der "BILD"-Zeitung verbreitet regelrecht eine Pogromstimmung gegen eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik und deren Unterstützung durch die demokratische Bewegung in Deutschland. Es ist wohl nicht von der Hand zu weisen, dass dies im Sinne der von Seehofer, Strobl und Co. betriebenen Verschärfung von schnelleren Abschiebungen und Abschiebehaft geschieht.

Wolfgang Jäckh, Sindelfingen