Wer vorher urteilt, hat leider Vorurteile

Leserbrief vom 27. Dezember 2018 - 12:12

Zum Leserbrief von Herbert Bauer vom 19. Dezember

In Schönwetterperioden Demokrat zu sein - geschenkt. Demokraten beweisen sich erst in krisenhaften Zeiten. Niedriglohnsektor, Altersarmut auf nationaler Ebene, Handelskriege, Klima- und Kriegsflüchtlinge auf internationaler Ebene, da wechseln Warmduscherdemokraten schnell die Fronten und werden zu Demokratiekritikern. Da ist die herrschende Politik grundsätzlich schlecht, vom Bund über die Länder und Kreise zur Gemeinde.

Solchen Demokraten fehlt es an Resilienz, was heißt, auch in krisenhaften Zeiten an der Demokratie festzuhalten. Denn natürlich braucht die Demokratie DemokratInnen, Frauen und Männer, welche die Demokratie aktiv leben, welche schlechte Politik besser machen. Schließlich ist es mit der Demokratie wie mit dem Radfahren. Wer da nicht in die Pedale tritt, stürzt ab.

Wer die Demokratie nicht praktiziert, ob als interessierte BürgerIn, als WählerIn, als KandidatIn, taugt nicht als Demokrat. Tiere existieren weitgehend mit angeborenen Instinkten und Reflexen. Der Mensch ist zum Lernen verdammt. Auch DemokratInnen! Wusste Herr Bauer noch nicht, dass Demokratie lernbar ist? Deshalb besitzt jedes Bundesland Institutionen für politische Bildung. Sie sind eine Chance für die Entwicklung demokratischer Gesinnung. Herbert Bauer möchte diese Chance offensichtlich nicht ergreifen. Er zieht es vor, diese Institution mies zu machen, sie ohne nachvollziehbare Argumente anzupöbeln (Propagandaministerium, Amt für Meinungsbeeinflussung) Er solidarisiert sich lieber mit dem gleichgesinnten Flugfeldkritiker Markus Wagner, indem er der Kreisverwaltung und dem Kreistag "Hinterzimmerpolitik" bei der Flugfeldklinik vorwirft.

Man spürt, dass es da einem im Wesentlichen ums Dampf-Ablassen geht. Doch was ist mit den vielen öffentlichen Sitzungen des Kreistags, wo man als BürgerIn einfach zuhören kann? Das muss man entweder wissen oder eben lernen. Demokratie ist erlernbar.

Also vorher im nächsten Jahr einfach von Neuweiler den Berg hochfahren, an einer Veranstaltung in Holzgerlingen teilnehmen und dann erst urteilen! Nur, damit keine dummen Vorurteile entstehen.

Heinz Renz, Holzgerlingen