Eigenwerbung täuscht nicht über schlechte Führung hinweg

Leserbrief vom 04. Dezember 2018 - 16:24

Zum Thema Politikverdrossenheit

Kürzlich war mein Wasser- und Heizungsableser da. 35 Jahre alt, drei Kinder und Ehefrau. Er wählt schon seit zwölf Jahren nicht mehr. Seine Gründe: Verlogenheit der Altparteien und Wählen bringt nichts. Er sei nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen und müsse sich auch deshalb nicht um die Politik kümmern. Aus Selbstschutz vor Ärger hört schon lange er keine Nachrichten mehr. Zum kommenden Finanzcrash: Der kommt, so wie die Politik mit unserem Geld umgeht. SPD-Altkanzler Willy Brandt propagierte einst den mündigen Bürger, mit dem man mehr Demokratie wagen sollte. Vor ein paar Jahren sagte der Altkanzler Helmut Schmidt, er spüre eine revolutionäre Stimmung im Volk, ohne das näher belegen zu können. Zuhör-Tour, Regionalkonferenzen und Debattencamps haben die Meinung des Wasser- und Heizungsablesers nicht geändert. Es ist wie in einem Betrieb: Auch viel Eigenwerbung verbessert keine schlechte Führung und die Mitarbeiter flüchten in die innere Kündigung. So etwas ist noch nie gut gegangen, und dieser Betrieb mit innerer Kündigung prägt einen Großteil Deutschlands.

Matthias Reinke, Böblingen