Tabula rasa am Krebenweg in Schönaich

Leserbrief vom 28. November 2018 - 19:00

Zum Neubau der Kindertagesstätte dort

Nicht wenige Bürger bleiben im Moment vor dem Bauzaun im Krebenweg stehen und fragen: Was ist denn hier los? Und auf die Antwort: Hier entsteht die neue Kindertagesstätte wird vielfach entgegnet: Haben die da oben (im Rathaus) keinen gescheiteren Platz gefunden! Nachdem dieses Vorhaben im April konkrete Formen annahm, hatte ich mir diese Frage in ähnlicher Form auch gestellt und und an den Bürgermeister Daniel Schamburek in den Tagen danach ein entsprechendes Schreiben gerichtet bei dem es unter anderem um die Frage ging, weshalb jener Bau im Krebenweg entstehen soll und nicht im Neubaugebiet Westrand, dort wo Familien mit kleinen Kindern neuerdings wohnen und der Grundsatz, der aus Ihrer Feder stammt: "kurze Beine, kurze Wege" haargenau passt - zumal dort auch zwei Parzellen für eben diesen Zweck vorgesehen sind und der Gemeinde zur Verfügung stehen.

In einem sich anschließenden Gespräch in dem der Bürgermeister mir die Gründe der Untauglichkeit dieses Platzes aufzeigen wollte (zu klein, zu teuer, Spielfläche müsse aufs Dach verlegt werden) blieben seine Ausführungen äußerst unbefriedigend. Vergangenheit, ich weiß! Nun ging es für die Verwaltung darum, das Bauvorhaben im Krebenweg umzusetzen. Hierfür wurden der Öffentlichkeit zwei Alternativen vorgestellt und von den verantwortlichen Architekten entsprechend erläutert. Die eine Lösung sah eine naturnahe Bebauung vor, so möchte ich sie nennen, bei der keiner der zahlreichen Bäume gefällt werden sollte und um etwa 300 000 Euro niedriger veranschlagt war als jene, die den Zuschlag erhielt und im Augenblick verwirklicht wird.

Die entsprechende Abstimmung im Gemeinderat fiel mit der Mehrheit von einer Stimme äußerst knapp aus. Der Bürgermeister Schamburek hatte sich in solch einer wichtigen Angelegenheit der Stimme enthalten. Auf sein Abstimmungsverhalten angesprochen ist festzustellen, dass er in der öffentlichen Sitzung versuchte, seine Beweggründe darzulegen - und auch die Frage stellte, was denn eine Patt-Situation mithilfe seiner Stimme gebracht hätte.

Darauf kann ich Ihnen antworten: Herr Bürgermeister, dies hätte sehr viel gebracht! Eine Stimmengleichheit fordert jede Person heraus, die getroffene Entscheidung neu zu überdenken und zu bewerten. Wären Sie selber eventuell auf der Seite der von mir geschilderten naturnahen Seite gewesen, hätten Sie mit starken, gewichtigen Argumenten wie dem Erhalt des Baumbestandes und der immensen Kostenersparnis anhand gähnend leerer Kassen sehr wahrscheinlich eine vernünftige Mehrheit gewonnen. Vielleicht hätten Sie auch scheinbar festgelegte Räte mit einer Kettensäge ausgerüstet mit der Maßgabe, die Bäume eigenhändig umzusägen. Was meinen Sie, wie viele gefallen wären? Ich vermute, kein einziger. Sehen Sie mir diese eher plakative Vision nach - sie soll indessen deutlich machen, wie einfach es ist, aus der sicheren Distanz des Schreibtisches mit einem Federstrich, einem Handstreich oder der zur Abstimmung erhobenen Hand fatale Entscheidungen zu treffen. Nun liegen sie auf dem Erdboden, die Riesen - mehr als ein halbes Dutzend. Mit etwa zwanzig Jahren im besten Alter, kerngesund, einem gewaltigen Stamm, ehemals so groß wie die gegenüberliegenden Häuser, einer mächtigen Krone, belaubt vom Frühjahr bis weit in den Herbst hinein mit Millionen von Blättern. Schon Kindern in der Grundschule ist der vielfache Nutzen solcher Bäume bewusst - indessen ausradiert, einer mehr als mittleren ökologischen Katastrophe gleich. In jedem Fall ein Verbrechen an der Natur!

Werner Dilger, Schönaich