Ein Widerspruch in sich

Leserbrief vom 28. November 2018 - 19:00

Zum Artikel "Özdemir gründet Initiative für deutschen Islam" vom 22. November

In der Kreiszeitung vom 22. November berichten Sie gleich zweimal über diesen Vorgang. Ein Sprichwort, das in Behörden oft gehört wird, lautet: "Immer wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis" Den Grünen-Politiker Cem Özdemir mögen viele nicht, ich schon, da er sich mehr Unabhängigkeit der Staaten von den Religionen wünscht.

Dieses durchaus richtige Prinzip nennt sich Säkularismus. Der Gründer der Türkei vor knapp einhundert Jahren, selbst mit albanischen Wurzeln, wollte es dauerhaft. Heute sind wir weit davon entfernt, was die Vorgänge dort betrifft. Christen, Aleviten, Schiiten, Atheisten, "Säkulare" und Andersdenkende sind nicht gerne gesehen, werden teilweise verfolgt und gelegentlich eingesperrt, also nicht nur "linke" Journalisten, Anwälte und Gülen-Anhänger!

Es ist mehr als ärgerlich, dass es immer noch eine Zusammenarbeit mit aus der Türkei finanziell geförderten Islamverbänden gibt. Aber auch die christlichen Kirchen, eigentlich alle großen Weltreligionen, mischen weltweit massiv politisch mit und bekommen als Körperschaften zum Beispiel in Deutschland gigantische Fördergelder, also unsere Steuergelder, vom Staat.

Der Widerspruch im Namen der Initiative besteht darin, dass sich die Initiatoren wünschen, dass sich die Weltreligion Islam aus der Politik möglichst heraushält. Ich behaupte, dass sich diese Religion kaum verändert wird in den nächsten Jahrzehnten. Seitdem es Religionen gibt, haben die Menschen stets Halt und Trost in ihnen gesucht und leider oft genug nicht verstanden (oder zu spät), dass die geistlichen Führer und Prediger zusammen mit den Mächtigen und Politikern der Welt die Gläubigen in bittere Kriege geführt haben.

Initiative hin oder her, Gerechtigkeit und mehr Frieden im Zusammenleben der Menschen wird durch das Alltagserleben im Umsetzen von humanistischen Werten, die alle Religionen verbinden sollten, sichtbar und nicht durch akademische Initiativen.

Detlef Reppenhagen, Weil der Stadt