Uninformiert oder ignorant ?

Leserbrief vom 26. November 2018 - 16:12

Zum Artikel "Weihnachtsmarkt soll wieder nach oben" vom 22. November

Erfreut und erstaunt haben wir den Artikel über die Initiative zur Belebung des Marktplatzes gelesen. Erfreut, weil der Marktplatz wieder einmal kommunalpolitisch von Gemeinderäten thematisiert wird, erstaunt, weil den Initiatoren offensichtlich nicht mehr erinnerlich ist, dass vor gerade mal zweieinhalb Jahren eine große Diskussion zur Belebung und Neustrukturierung der Böblinger Innenstadt - die sogenannte "Schlossbergoffensive" - auch unter kommunalpolitischer Beteiligung geführt wurde. Dabei wurden Vorschläge erarbeitet sowie konkrete und realisierbare Konzeptionen vorgelegt, die auch in schriftlicher Form den Gemeinderäten und der Verwaltung vorgestellt wurden.

Erinnert sei an den interfraktionellen Antrag vom 10. Mai 2015, die Aktivitäten des Gewerbeforums sowie unsere Ausarbeitung "Die Böblinger City und der Schlossberg - ein Beitrag zur Schlossbergoffensive als Zukunftsprojekt". In ihr wurde auf der Grundlage aller Vorarbeiten und unter Einbeziehung aktueller Erkenntnisse einer zukunftsweisenden Stadtentwicklung differenzierte konzeptionelle und inhaltliche Vorschläge vorgelegt. Zum "Marktplatz als kommunalem Zentrum" wurden Ausführungen zu seiner städtischen Bedeutung, der verkehrstechnischen Situation und Gestaltungsvorschläge gemacht. So ist zu lesen: "Der Wochen- und der Weihnachtsmarkt müssen [...] auf dem Marktplatz stattfinden. Er muss innerstädtischer Mittelpunkt werden." Der Gemeinderat hat dann auf Vorschlag der Verwaltung die Erstellung eines Masterplanes beschlossen und noch im Sommer 2018 hat die Baubürgermeisterin über das Ergebnis eines Verkehrsgutachtens berichtet, das allerdings außer Kosten in der Sache nichts Neues und für die Realisierung offensichtlich keinen Fortschritt gebracht hat!

Uns zeigt die bisherige Entwicklung, dass Vorschläge aus der Bürgerschaft beispielsweise im Hinblick auf die Stadtentwicklung gerne ignoriert werden, wenn sie nicht in das Konzept der Verwaltung passen, dass die innerstädtischen Probleme nicht durch immer neue Gutachten und Anträge gelöst werden, wenn der "kommunalpolitische Wille" fehlt, um gefasste Beschlüsse zeitnah in der Verwaltung durchzusetzen. Wir hoffen, dass es mit dem neuerlichen Antrag gelingt, dass wenigstens ein Teil unserer Vorschläge zur Belebung von Marktplatz und Innenstadt umgesetzt und realisiert wird, im Interesse einer nachhaltigen Stadtentwicklung für Böblingen.

Horst Wiedenhorn, Gustav Schoder, Hans Ambros, ehemalige Stadträte in Böblingen