Meinungsverschiedenheit aushalten

Leserbrief vom 23. November 2018 - 16:30

Zum Artikel "Abweichler sollen nicht auf CDU-Liste" vom 19. November

Als parteiloser Bürger habe ich vielleicht "doch noch" die Möglichkeit, von meinem demokratischen Grundrecht der freien Meinungsäußerung Gebrauch zu machen. Nicht so jedoch in der CDU-Fraktion des Böblinger Gemeinderats im Vorfeld der Kommunalwahl. Mitglieder mit kritischen Anmerkungen und Einstellungen oder Andersdenkende werden als Abweichler bezeichnet und kurzerhand vor die Tür gesetzt, wie jetzt im Fall Braumann.

Kritik muss eine Demokratie (und auch eine Volkspartei) aushalten können und es muss zulässig sein. Oder bringt hier der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz aus dem Kanzleramt Vorgaben mit? Und Braumann passt anscheinend nicht in dieses vorgegebene Schema. In der politischen Formulierung von Biadacz heißt es: "Uns war es wichtig, gute Teamplayer aufzustellen und die Riege der Kandidaten zu verjüngen". Ins Deutsche übersetzt heißt das: Man will Ja-Sager und Weicheier, also per Definition Menschen, die wie Opportunisten den leichten und bequemen Weg gehen, schwächlich und feige sind und alles abnicken.

Diese Vorgehensweise einer Volkspartei ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar und ein No-Go. Von einer Partei, die in ihrem Namen Worte wie christlich und demokratisch trägt, darf doch nicht die Demokratie mit Füßen getreten werden. Es entsteht der Eindruck, als ob Demokratie von hoch bezahlten Politikern und Parteien gemacht und bestimmt wird und nicht vom Volk. Wer soll diese Partei dann noch wählen? Dieses Vorgehen führt wieder einmal mehr zu Wahlverdrossenheit und zu Protestwählern. Verjüngung muss sein, ja, aber bitte nicht so. Und übrigens sind standhafte "Alte", die sich für uns Bürger einsetzen, allemal wertvoll.

Albrecht Schlenker, Dagersheim