Stadtmuseum: Über denTellerrand hinaus denken

Leserbrief vom 20. November 2018 - 17:06

Zum Rückspiegel "Zu wenig Auftrieb" vom 17. November

Herr Schlecht trifft den Nagel auf den Kopf. Man muss das Thema Flughafengeschichte erweitert sehen. Die Herren Knoblich, Kapp und Sostmann haben einen tollen Job bei der Recherche der Flughafengeschichte gemacht. Kurz bevor er verstarb, haben sie noch meinen Vater, der in der Lufthansa-Siedlung in der Achalmstraße aufwuchs und wie sein Vater und sein Onkel auf dem Flugplatz arbeitete, befragt und alte Fotos kopiert. Das Problem ist nicht, zu wenig Material zu haben, sondern die Fülle zu erfassen, noch lebende Zeitzeugen zu befragen und zu strukturieren.

Es gab nicht nur den Landesflughafen und später den militärischen Fliegerhorst. Ganz Böblingen lebte in den 1930er-Jahren als Garnisonsstadt auf, mit vielen aus ganz Deutschland Zugezogenen und viel Freizeitunterhaltung in Gasthäusern. Es gab mittelständische Firmen wie Kibri, die Maschinenfabrik Maier, Bonz, Hautana (erfanden den Büstenhalter), den Flugzeugpionier und Judenretter Hanns Klemm. Später IBM und HP. In Sindelfingen Daimler-Benz, die Webereien, Hollerith-IBM und viele mehr.

Unsere teils gewalttätige Geschichte geht Jahrtausende zurück bis zu den Kelten. Die Römer hatten in Sindelfingen eine Ansiedlung und holzten die Wälder ab. Die Idee eines Museums in größerem Rahmen wäre genau die richtige. Schön, dass man jetzt offener ist. Vor 15 Jahren schlug ich zwischenzeitlich verstorbenen Gründervätern des damaligen Hauses zur Geschichte der IBM-Datenverarbeitung vor, auf Böblingen zuzugehen, so etwas in größerem Rahmen zu machen. Ich fand wenig Resonanz, da man bereits bei den "Entscheidern" in Böblingen rüde abgeblitzt war.

Böblingen, Sindelfingen und die Umlandgemeinden sollten sich zusammenfinden und gemeinsam unsere Geschichte, auf die wir alle stolz sein können, würdigen. Recherchearbeiten könnte auch von Arbeitsgruppen der Schulen kommen. Anfangs ließe sich ein Museum kurzfristig virtuell realisieren, in dem man sich per Computer oder 3D-Brille bewegen könnte. Relativ einfach ließen sich Apps gestalten, die als "Augmented reality" Ansichten von damals über das Kamerabild eines Smartphones legen, das beispielsweise auf die Stadtansicht zeigt. Ein reales Museum ließe sich Schritt für Schritt nachziehen. Einfach mal über den Tellerrand hinaus denken!

Jörg Lanksweirt, Böblingen