Arbeitsmarktzahlen vermitteln falsche Realität

Leserbrief vom 12. November 2018 - 18:30

Zum Thema Arbeitsmarkt und Vollbeschäftigung in Deutschland

Ich bin Baujahr 1952 und hatte das Vergnügen in den sechziger Jahren echte Vollbeschäftigung kennen zu lernen. Vollbeschäftigung hieß damals 150 000 bis 250 000 echte Arbeitslose und das ohne Tricksereien wie heutzutage. Die Presse und die Regierung jubelt und will uns über eine hingetrickste Statistik eine "Vollbeschäftigung" bei knapp unter drei Millionen Arbeitslosen vorgaukeln. Wenn alles, was nicht gezählt wurde, wieder reingerechnet wird, kommt man wohl auf gut fünf Millionen echte Arbeitslose.

Sechs Millionen sind es nach den Kriterien, die zwischen 1960 und 1965 galten. Auch damals fehlten Arbeiter, vor allem für die einfachen Tätigkeiten, Facharbeiter waren allesamt in Arbeit. Damals halfen uns Italiener, Griechen, Spanier und Portugiesen, später, nach langem Bitten und Betteln und vor allem auf massiven Druck der USA hin auch ein Kontingent Türken. Heute weiß man, das letzteres ein schwerer Fehler war. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sagte dazu anno 1973: "Es ist ein Fehler gewesen, die Gastarbeiter überhaupt nach Deutschland geholt zu haben." Heute wird seitens der Politik wieder getrickst, dass sich die Balken biegen!

Wir stehen vor der industriellen Revolution 4.0, was uns jede Menge neue und zusätzliche Arbeitslose bescheren wird. Die Industrie faselt unglaubwürdig davon, dass Facharbeiter für die Digitalisierung/Industrie 4.0 fehlen. Ausgehend von den derzeitigen realen Arbeitslosenzahlen und den Erfahrungen mit dem Verhalten der Industrie und dem Handwerk ist zu fragen, warum diese nicht aus dem unerschöpflichen Reservoir von Arbeitssuchenden längst eine Ausbildungsoffensive gestartet haben. Sie, die Industrie und das Handwerk, sind letztendlich diejenigen, die die Ausbildungsinhalte bestimmen und normalerweise auch ausbilden! Wenn also angeblich - angeblich deshalb, weil viele Sachbearbeiter bis hinauf zu Abteilungsleitern der Arbeitsgemeinschaften (ARGE) bestreiten, dass es einen echten "Facharbeitermangel" gibt. Was nachgefragt wird seitens der Industrie und des Handwerks, sind Hiwis oder Azubis der billigsten Sorte: Da suggerieren Statistiken des Arbeitsministeriums und der ARGE, das 9 000 Auszubildende 2017 eine Ausbildung begonnen haben: Nach Erfahrungen der Vorjahre sind am Ende des zweiten Lehrjahres maximal noch 25 Prozent in Ausbildung. Sie mussten oder wollten aufgeben: Im Handwerk stellen diese Abbrecher das Lumpenproletariat als billige und willige Hilfskräfte beim Ex-Lehrherren. Es hat sich seit meiner Lehrzeit (1967-71) also nicht viel verändert.

Bis hierhin ist dies eine Zustandsbeschreibung des Ist-Zustandes, daraus leite ich folgende Forderungen an die Politik ab: 1. Sofortige Einführung einer Zwangs-Ausbildungs-Abgabe 2. Ausbildungszentren einrichten, finanziert aus Steuer- und Ausbildungs-Abgabe. Verantwortliche Betreiber: die Industrie und Handelskammern beziehungsweise Handwerkskammern. 3. Zahlen müssen alle Firmen, die nicht selbst ausbilden ab 25 Mitarbeitern und wir Steuerzahler. 4. Rückkehr zum alten bewährten dreistufigen Bildungssystem mit Empfehlungsrecht der Lehrer! Wir brauchen keine weiteren Sozialpädagogen, Streetworker und Integrationsbeauftragten, sondern Facharbeiter: Dachdecker, Maurer, Elektriker, Klempner und Installateure und weitere, die brauchen auch heute noch kein Abitur. 5. Stop des Zuzugs aller weiteren Migranten/Flüchtlinge/Asylanten und so weiter, bis wir die, die bereits im allzugroßen Überfluss hier sind, assimiliert haben. Machen wir uns nichts vor: die Assimilation, also das vollständige Aufgehen im Volkskörper unter Zurücklassung/unbedingter Abschiebung derjenigen Migranten, die sich der Assimilierung verweigern, weil sie zu 100 Prozent falsch sozialisiert sind für unsere gesellschaftlichen Normen.

Das ganze wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern und außer Blut und Tränen auch noch Hunderte von Milliarden kosten. Danach wird unsere Gesellschaft eine andere sein, selbst wenn alles umgesetzt würde, was ich vorschlug. Diese stark veränderte, zukünftige Gesellschaft ist nicht mein Ding: sie trägt viele Kerne in sich, die zum scheitern führen können.

Dieter Machmüller, Ehningen